Ich hab nur geträumt.

Wenn ich in die Heimat fahre, überlege ich, was ich dort fotografieren möchte. Ich packe Kameras ein und packe Kameras wieder aus. Filme werden mit Bedacht ausgewählt. 3x Kodak Gold, 1x Agfa Vista 400, 1x Kodak Ultramax 400 und soll ich wirklich mal einen Ferrania Solaris 400 opfern? Es ist ein sehr seltsamer Ort geworden, den ich am Ende nie zum Fotografieren besuche, auch wenn man es vorher so sehen könnte, wenn man meine Vorbereitungen beobachtet. Wenn ich dann in Blankenburg bin und mich durch die Stadt bewege, bin ich in einem Traum unterwegs. Alles ist vertraut, aber genauso ist es fremd. Ich bin ein Besucher und schaue durch ein Fernglas auf leere Schaufenster auf der anderen Straßenseite. Über meiner Schulter hängt eine Tasche mit Kameras und Filmen. Sie ist größer und schwerer, gefüllter, als bei manchem Job und doch bin ich nicht zum Fotografieren gekommen. Stattdessen stelle ich mir Fragen, wie ich es nur von dort wegschaffen konnte und ob mein Leben deswegen nun besser ist, als die alternative Version es gewesen wäre. Eine Zeit lang war dieser Ort noch ein gemeinsamer Nenner mit Freunden, die nun ihre eignen neuen Heimaten haben, genau wie ich meine nun neuste neue Heimat habe. Mancher hat jeden Bezugspunkt zu dieser Stadt gänzlich verloren. Es gibt keinen Grund mehr, dort zu sein. Die letzten Jahre waren geprägt von unserer Arbeit und… Mein Gedanke wird unterbrochen, als eine Frau schreit: “Ihr könnt da nicht essen,…”. Der Rest ist unverständlich. Sie ruft es nochmal, aber ich verstehe sie nicht. Dieser Ort ist mir so fremd geworden. Früher kauften selbst die Glatzen sich mal nen Döner, aber jetzt pöbeln Frauen, die die Mütter von Schulfreunden sein können, wenn man dort gedankenversunken auf sein Essen wartet. Der Leerstand ist beeindruckend und doch scheint es vielen gut zu gehen. Manches zerfällt, anderes ist neu, solide und man hat nicht gespart. Jeder lebt wohl für sich. Ich weiß es nicht, denn ich lebe dort ja nicht mehr. Ich bin nun ein Tourist. Einer der die Autobahn an Feiertagen verstopft. Ich wohne nun im Hotel und nicht mehr in meinem viel zu kleinen Zimmer. Meine Eltern sitzen nun hinten im Auto. Ich habe nur geträumt und bin gerade aufgewacht.

Meine Spielsachen

Immer wenn ich einen Film von Rossmann abhole und scanne, flute ich damit meinen Instagram Account. Teilweise sind das recht belanglose Bilder, denen ich da eine viel zu große Bühne einräume, aber in den Momenten freue ich mich einfach so sehr über diese Aufnahmen und irgendwann fragt dann halt einer, warum man so viele Kameras besitzt und wieso man überhaupt Filme einlegt, wo doch die digitale Leica auch im Schrank steht. Da ich Fragen oft nicht mit einfachen, kurzen und prägnanten Sätzen beantworten kann, versuche ich es nun hier, komplexer, so wie eben die Welt für mich ist – komplex. (Ist es nicht herrlich, wie oft man im Internet Dinge rechtfertigt, die man ohne Internet einfach nur tun würde?)

Wie bei jeder ernsthaften Betrachtung, müssen wir in die Vergangenheit reisen und schauen, wie alles angefangen hat. Als ich nach dem Studium meinen ersten Job bekam, nach Aachen zog und in einer Werbeagentur arbeitete, viel mir plötzlich auf, dass ich jetzt Geld hatte, Geld um mal eben eine Kamera zu kaufen. Mein neuer Job war nicht unbedingt das, was ich wollte, aber von irgendwas muss man ja leben und während ich mich etwas gestrandet fühlte, stolperte ich über CamerabagTV, eine Interviewserie mit Fotografen, die damals hauptsächlich analog fotografierten und sie alle waren da irgendwie reingeraten, in dieses Fotografieren. Ich habe die paar Folgen verschlungen und begann mich mit den Kameras zu beschäftigen, die sie benutzten. Ich hatte ja jetzt etwas Spielgeld. Eine Yashica T4 war damals schon zu teuer, aber eine T3 kostete 55€. Mittlerweile gibt es das Format aber nicht mehr und nur wenige Schnipsel sind noch zu finden. Frank Ockenfels ist sehr empfehlenswert:

Yashica T3

Die Yashica T3 ist eine ganz wunderbare Kamera. Sie ist robust, soll Staub und Wasser abweisen und das 35mm f2.8 von Zeiss ziemlich ordentlich. Man kann quasi nichts einstellen und sie übersteht nahezu jede menschliche Emotion, die ich ihr zugemutet habe. Wir haben was erlebt und ich gebe sie nie wieder her.

Ich habe mich da richtig reingestürzt. Eine Mamiya M645 gekauft, eine Hexar AF, Yashica 35 Electro GT, Minolta CLE und sehr viel Schwarzweiß fotografiert und auch selbst entwickelt. In der Agentur stand ein Flachbrettscanner mit Durchlichteinheit und so blieb ich dort so gar, wenn ich mal keine Überstunden machen musste. Ich habe ein gutes Jahr kaum mehr digital fotografiert. Ich glaube, ich habe erst jetzt begriffen, warum. Liegt da ein Film in der Kamera, dann stelle ich mir ein Bild erstmal vor. Man will ja keinen Frame verschwenden und so drückt man viel öfter einfach nicht ab, während ich digital oft ein Bild nur aus Langeweile mache, um mich zu beschäftigen. Der Gedanke, es einfach wieder löschen zu können, ohne dass es Folgen hat, lässt einen schon viel Müll fotografieren. Damals war mir das weniger bewusst. Eigentlich wollte ich Fotografie nur mal endlich ernst nehmen, sie mir verdienen, ein bisschen das Handwerk lernen, oder aber davon ablenken, dass ich nicht mutig genug war, zu kündigen und mich mal mehr um mein Lebensglück zu kümmern. Es war aber auch eine Frage des Respekts. Ich wollte mich anstrengen, wenn jemand mir ein gutes Motiv war. Analog zu fotografieren, oder heute eine Kamera ohne Autofokus zu benutzen, ist für mich eben das. Ich mache es mir etwas schwerer, als es sein müsste und nutze den Aufwand, mir ein bisschen mehr Sorgfalt abzuverlangen. Es hilft mir auch, gerade, wenn ich jemanden portraitiere, zu zeigen, dass mir das sehr wichtig ist, was wir da machen.

Na ja, 2013 wurde mal in mein Auto eingebrochen und ich war mittlerweile selbstständig, also seit ein paar Wochen. Dumme Sache, um weiterarbeiten zu können, musste ich alles verkaufen, was man zu Geld machen konnte. Nur die Yashica T3 blieb. Ich habe dann sehr lange nicht mehr analog fotografiert. Erst 2015 hat mir Ben Bernschneider mir wieder Lust darauf gemacht, Filme zu belichten. Zufällig stolperte ich auch über eine Olympus MJU II.

Olympus MJU II

Sie hat mich keine 30€ gekostet und wäre sie nicht so klein, würde ich sagen, dass sie das viele Geld, was man sonst teilweise dafür zahlt, nicht wert ist. Das Ding ist einfach eine Hypekamera, die schon ordentlich arbeitet, aber Wunder kann sie auch nicht vollbringen. Sie ist mir gleich nach ein paar Tagen runtergefallen und das Batteriefach schließt nun nur noch mit Tape.

The Classic Presets

Als ich angefangen habe, an den Classic Presets zu arbeiten, musste ich auch wieder vermehrt auf Film fotografieren. Woher soll man sonst ein Gefühl für den ganzen Kram bekommen. Seit letztem Jahr digitalisiere ich auch wieder selbst. Zuerst mit einem Canoscan 9000f mk II und nun mit einem Plustek OpticFilm 7400. Wenn man etwas sucht und die Ansprüche nicht riesig sind, dann bekommt man mit den Plustek-Scannern schon alles, was man braucht. Ich fotografiere viel Kodak Gold 200, UltraMax 400 und Agfa Vista 400, eben was günstig ist und an dem ich schwer vorbeigehen kann, wenn ich mal wieder einen Film zu Rossmann bringe. Dort lasse ich aktuell noch Farbfilme entwickeln. 2,50€ kostet die Entwicklung und funktioniert für mich sauber. Man hört immer mal wieder, dass die Drogerien einen Film versaut hätten, aber da stehen ja auch Großlabore, wie Cewe dahinter, die bei C41 oder E6 wirklich nicht viel falsch machen können. Nun ja, zuhause scanne ich dann in Ruhe, nachdem ich brav meine 3-5 Tage auf den Film gewartet habe. Das empfinde ich als meditativ und ich habe so gelernt, dass der Film allein nicht den Look bestimmt. Wenn wir ihn digitalisieren, interpretieren wir ihn auch gleichzeitig und so haben Scanner, Software und Methode der Negativumwandlung schon noch mal ordentlichen Einfluss auf das Gesamtergebnis. All das ist wichtig, wenn ich dann meine Classic Presets optimiere, oder an etwas ganz neuem arbeiten möchte. Es gibt auch einige Details und Facetten, die wir niemals digital hinbekommen werden. Nuancen, Farbverschiebungen, die Darstellung von Mischlicht, die sich oft richtiger anfühlen, oder zumindest auch mal visuell überraschend wirken. Ich weiß längst noch nicht absolut, was ich da tue, wenn ich auf Film fotografiere und vielleicht ist es auch das, was mich daran so begeistert.

Geschenke

Wenn man so viel darüber redet, viel zeigt und immer eine Kamera dabei hat, dann bekommt man manchmal auch was geschenkt. Mein Kumpel Alex hat mit eine Konica Pop und eine Minolta X300 geschenkt. Neulich bekam ich auch einen Haufen Kodak Ektar 100.

Minolta X300

Viele Minoltas sind ganz wunderbare Kameras. Es gibt viele gute Objektive, die auch nicht so teuer sind. Mit irgendwas aus Minoltas X-Serie kann man nichts falsch machen. Diese Kamera hat ihren Weg zu mir gefunden. Das Objektiv stammt vom Flohmarkt und ein 50mm hat mir Johannes geschenkt. Der erste Film wird gerade entwickelt. Ich bin sehr gespannt.

Nikon F90x

Die Nikon F90x habe ich angeschafft, weil ich nur Point and Shoots besaß und gerne Herr über Blende und Zeit sein wollte, wenn ich Referenzbilder für meine Classic Presets fotografiere. Sie stand bei einem Händler im Schaufenster und ich dachte, es wäre bei Nikon so easy, wie bei den analogen Canon EOS, wo man wirklich jedes EOS-Objektiv nutzen kann. Die F90x versteht sich aber mit Objektiven nicht, die eine elektronische Blendensteuerung haben. Das schränkt die Auswahl sehr ein und ich muss noch etwas Geld in die Hand nehmen. Weil sie aber ein absolutes Arbeitstier ist und wirklich schön die Belichtung misst, werde ich wohl mal ein Nikon AF Nikkor 35 mm/2,0 D kaufen.

Canon AE 1

Willst du ein analoges System, was viele günstige und gute Objektive bietet, dann ist man bei Canon richtig. Die FD-Linsen sind ganz ok und vor allem weit verbreitet und günstig. Die AE1 ist auch eine tolle Kamera. Mit ihr muss ich noch viel fotografieren. Der Winter hat mich nur ein bisschen aufgehalten.

Contax T2

Hier hat der Hype mich mal richtig erwischt. Die Preise, zu denen die T2 gehandelt wird, werden nur von denen der T3 übertroffen. Es ist absolut verrückt, aber ich wollte sie so gerne haben. Das Objektiv ist wirklich charismatisch und wir reden hier nicht von Bildschärfe. Man kann es schwer beschreiben, aber da passiert Magie und sie ist jeden Euro wert. Ich hatte bei einer eBay-Auktion Glück und der Verkäufer akzeptierte meinen Preisvorschlag. Verschuldet euch nicht, aber wenn ihr es doch tut, hier verbrennt ihr kein Geld.

Ich fotografiere gerne analog. Es macht mir einfach Freude. Man kann nicht sagen, dass man unbedingt analog fotografieren müsste, es überlegen, elitär, oder besser wäre. Am Ende macht man dort die gleichen Fehler, die man immer macht und es hilft mir nur, nicht die Motivation, das Interesse, oder den Mut zu verlieren. Ich kenne langsam alle Tricks, um mich auf Kurs zu halten, so dass ich mich entwickeln kann, wenn auch langsam und mit großen Umwegen, aber immerhin geht es voran und ich lerne immer wieder dazu. Eines muss aber klar sein. Es geht nie um eine Kamera, oder einen Film, ein Werkzeug eben. Es geht immer nur um Inhalte und niemand wird automatisch ein bessere Fotograf, weil er diese, oder jene Technik benutzt. Manche Dinge machen mehr Spaß als andere, manche lenken einen ab und andere helfen bei der Konzentration. Man muss rausfinden, was einem gut tut und was man meiden sollte, aber ich kenne niemanden, der sich nicht gefreut hat, als er seinen ersten Film selbst entwickelt hatte und da tatsächlich Bilder zu sehen waren.

Nun bleibe ich Bilder aus den Kameras und mit den Filmen schuldig. Es würde den Rahmen sprengen und schon jetzt habe ich das Gefühl, ganz viel nicht erzählt zu haben. Vielleicht muss man da mal in die Tiefe gehen, oder ihr schaut mal bei Matt Day vorbei.

Das Solaris Projekt.

Es gibt die Ferrania Solaris Filme und ja, die sind spannend und manchmal wohl etwas eigen. Ich habe ein paar hier und ich werde sie noch in Referenzmaterial verwandeln und übrigens stellt sich Ferrania gerade neu auf und will 2019 zurück ins Geschäft kommen. Nochmal 100 Jahre Analogfilm heißt es auf ihrer Seite und die Einstellung gefällt mir sehr!

Das Solaris Projekt ist jedoch etwas anderes, auch wenn den Ferrania Filme den Anstoß zu allem lieferten. Vor einigen Monaten habe ich mich mit diesen Filmen beschäftigt und ich wollte sie in Lightroom Presets übersetzen. Wenn mir das mit den CineStill Filmen geglückt war, wird so ein normaler Negativfilm ja nicht so schwer sein.

Seit diesem Gedanken ist einiges passiert. Ich bin abgelenkt wurden, habe andere Dinge umgesetzt und noch keinen einzigen Solaris belichtet. Es ist ein bisschen so, als würde ich sie mir für etwas besonderes aufheben und nun ja, ich weiß gar nicht was das sein sollte. Meine Zurückhaltung lies jedoch eine andere Idee heranwachsen. Ich interpretiere viel und versuche das Verhalten vom Filmmaterial nicht nur auszumessen, sondern zu verinnerlichen. Viele von euch werden wissen, dass Fuji immer ein bisschen mehr zum Grünstich neigt und wer mag nicht das Rot bei Kodak? Die einzelnen Filme haben dann nochmal ihre eigenen speziellen Eigenarten. Ich fragte mich, ob man die nicht wild miteinander kombinieren und sich nicht einfach eigene Filme ausdenken könnte, die es so nie gegeben hat. Das ist die Metapher hinter dem Solaris Projekt.

Ich fokussiere einen maximalen analogen Charakter, sofern der denn als digitale Kompromisslösung zu erreichen ist. Alles ist flacher, weniger stark gesättigt, eben näher an den Erfahrungen, die ich beim Scannen des Originalmaterials gesammelt habe. Wer mir auf Instagram folgt weiß, dass ich in den letzten Monaten auch wieder viel Film fotografiert habe und alles ausprobiere, was mir in die Finger kommt. Dabei stellte ich fest, dass wir digital viel zu sehr verfremden und die Gammakurve eigentlich anders verlaufen sollte.

Wir nutzen in LR die RGB-Gradationskurven sehr gerne, aber haben irgendwie nie bedacht, welchen nachteiligen Einfluss sie auf die Sättigung von Farben haben können. In Kombination mit den weiteren Tools zur Tonwertveränderung ergibt sich oft ein Flickenteppich von Einstellungen, die man irgendwann nur noch schwer im Zaum halten kann. Ich habe möglichst viel simplifiziert und alles eliminiert, was stört, um dann nochmal alles zu hinterfragen, was ich mit den Classic Film Presets für Lightroom angefangen habe. Die Solaris Presets kommen ohne Profile aus und arbeiten mit Lightroom-Bordmitteln.

Wie funktionieren die Solaris Presets – Tutorial


Im Moment gibt es 15 verschiedene erdachte Filme, weitere 9 sind in Planung. Die erste Veröffentlichung wird allerdings nur 12 enthalten, denn ich will das ganze Projekt in einem ständigen Fluss weiterentwickeln und aufstocken. Jeden Monat wird es einen neuen Film geben, der in einem natürlich kostenlosen Update veröffentlich wird. Das wird mir und euch viel Spaß machen.

Das Solaris Project findet ihr im The Classic Presets Shop für 29,99€.

 

Solaris 800z

Solaris Veliva 50

Solaris 400h

Solaris Elite Chrome 100

Solaris Gold 200

Solaris XPS 160

Solaris XPS 160

Solaris XPS 160

Solaris Elite Chrome 100

Solaris Velvia 50

Solaris Portra 400 NC

Solaris Velvia 50

Solaris Precisia 100

Solaris 400h

Solaris Portra 800

Solaris 400h

Solaris Portra 160

Solaris Superia 100

Solaris Portra 400 NC

Solaris XPS 160

Solaris XPS 160

Solaris XPS 160

Solaris Gold 200

Solaris XPS 160

X-Pro 2 statt Leica M

Die X-Pro 2 bekommt viel zu wenig Liebe. Ich nehme sie so selten mit, wenn es nicht gerade um einen Job geht. Sie ist zu einem reinen Vernunftswerkzeug verkommen, was sie aber nie sein sollte. Die Sache ist ja die, da steht die Leica neben der X-Pro 2 und Leica verpflichtet halt. Das Ding will ich mir immer wieder neu verdienen und dabei müsste ich mir die X-Pro 2 erstmal verdienen. Die meisten Bilder waren nicht gerade grandios, sondern nur solides Handwerk. Meine Passion hat sie wenig füttern können. Ich habe ihr einfach kaum eine Gelegenheit gegeben. Ich muss zugegeben, es war auch ein komisches Gefühl, die X-Pro 2 einzupacken und die Leica M-P 240 zuhause zu lassen. Es war, als würde ich bewusst etwas wichtiges vergessen. Die Leica hat meine Art zu fotografieren ein bisschen beeinflussen können und ich habe mich gefragt, ob sie mich dazu jedes mal aufs Neue zwingt, oder ob da wirklich etwas hängen geblieben ist. Na ja, zumindest habe ich mich erstmal damit beruhigt, aber auch damit, dass ich mir sicher war, eigentlich alles schon hinreichend mit der M-P fotografiert zu haben. Auch wenn ich immer wieder meine Familie und mir wichtige Motive in meiner Heimat fotografiere, könnte ich es verschmerzen, wenn das einmal nicht so klappt. Es ist eher eine Tradition, als eine Notwenigkeit. Die Fuji macht immer noch Spaß, auf ihre Art. Sie ist keine M und die Haptik der M ist mir lieber, aber vielleicht ist es auch nur Gewohnheit. Kann man sich vorstellen, dass man sich an den Autofokus erstmal wieder gewöhnen muss? Eingepackt habe ich auch zwei Objektive, die ich weniger benutze, als ich sollte. Das 18mm F2 R und das 35mm F2 WR. Meistens nutze ich das 23mm F2 WR oder das 18-55mm f2.8-4. Kürzlich habe ich erst überlegt, ob ich das 18mm überhaupt brauche, dabei ist es wesentlich angenehmer, als das schwerere Zoom. Man merkt die Kamera fast gar nicht, so leicht ist die Kombi. Die M-P kommt mir nun, wo ich wieder zurück bin, fast etwas übertrieben vor, kann man doch mit der X-Pro 2 die gleichen Geschichten erzählen und genauso fotografieren. Das war mir vorher schon klar, aber gemacht habe ich es dennoch nicht. Erinnert mich bitte in nächster Zeit, dass ich das öfter mal mache. 

Classic Gold 200

Das Motiv macht den Look. Will ich etwas bestimmtes erreichen, muss ich in erster Linie das richtige Motiv fotografieren. Es geht einfach nicht, im Nachhinein an allen Reglern zu drehen und in Wuppertal die wunderbare Atmosphäre eines Strandes abzubilden. Licht, Farben, alles funktioniert anders. Ich beobachte auch gerne, wie die Anmutung mancher Motive sich verändert, wenn die Jahreszeiten, oder vielleicht nur die Tageszeiten sich verändern. So kann man viel lernen. Man findet raus, wann man ein bestimmtes Motiv fotografieren kann und wann es gar nicht funktionieren wird. Es hilft mir auch bei meiner Arbeit an The Classic Presets. Im Moment arbeite ich an einem neuen Workflow, der es mir ermöglicht analoges Material noch authentischer abzubilden. Seit einiger Zeit fotografiere ich wieder vermehrt auf Negativfilm und stelle fest, wie sehr dann manchmal ein Preset doch vom Original abweichen kann. Das betrifft nicht nur Mischlicht, mit welchem der Film deutlich angenehmer umgehen kann, als unsere digitale Technik. Es sind Tonwerte, Sättigungen bestimmter Farben, die sich je nach Motiv verändern. Wenn ich meine Negative scanne, eröffnen sich dazu noch zusätzliche Wege, wie ich das Material interpretieren kann, um so meinem Wunschmotiv näher zu kommen. In letzter Zeit konnte ich daraus ein paar Rückschlüsse ziehen und habe mir Wege erarbeitet, um diese auf digitales Material anzupassen. Am Wochenende war ich mit Sheila in Bergen aan Zee. Dort fahren wir öfter hin, wenn wir mal kurz ans Meer wollen und dort habe ich schon ein paar Rollen verschossen. Ich kann habe also ein bisschen Referenzmaterial, was mir ähnliche Motive zu verschiedenen Tages und Jahreszeiten abbildet. Das half mir eine kleine Neuschöpfung zusammenzubauen. Hier sehen wir 2 Alpha Versionen, die auf dem Kodak Gold 200 basieren, aber in die auch mein persönlicher Geschmack eingeflossen ist. Bei einer mehr, bei der anderen weniger. Nun heißt es testen, weiterentwickeln und sehen, wo einen das hinführt.

Leica M Messsucher justieren

Stell dir vor, du bist gerade irgendwo, fotografierst vielleicht so gar wichtige und weniger belanglose Dinge als sonst, wenn du feststellst, dass der Fokus an deiner Leica M nicht mehr hinhaut. Dann kannst du dich ärgern und mit einem unangenehmen Gefühl nachhause fahren. Ich meine, wer hat schon eine zweite Leica, als Backup rumliegen und man weiß ja nie, wie ausgelastet man gerade in Wetzlar ist. Man kann sich dem aber auch selbst annehmen. Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie der Fokus verstellt sein kann.

Das Messsucherfeld ist vertikal verschoben

Bei älteren Leicas benötigt man hierfür ein spezielles Werkzeug, das “Vertical Alignment Tool”. Bei meiner M-P240 tut es aber auch ein Torx-T8.

Zunächst muss man die Schraube, die bei der M-P das Leica Logo ersetzt, lösen. Bei der M240 entfernt man stattdessen vorsichtig das Leica Logo, um es später einfach wieder einzukleben. Wer Angst vor Kratzern hat, nutzt lieber ein Werkzeug aus Plastik. Ich habe die Schraube später wieder mit Edding “lackiert”, aber die Lösung dürft nicht jedem genügen. Hinter dieser Schraube befindet sich der Zugang zur Einstellmöglichkeit der vertikalen Ausrichtung des eingespiegelten Messucherbilds.

Hier setzt man einfach mit dem Torx an und kann das Feld mit leichten Drehen justieren. Dreht man im Uhrzeigersinn, hebt man das Bild und gegen den Uhrzeigersinn senkt man es. Schwer ist es nicht und mit ein bisschen Fingerspitzengefühl bekommt man das ziemlich genau hin.

Front- oder Backfocus

Oft liegt es daran, dass die Unendlichstellung nicht passt. Das lässt sich leicht überprüfen. Sucht euch ein Objekt in größerer Entfernung, vielleicht 50 oder 100 Meter und Fokussiert darauf. Der Fokusring des Objektivs sollte nun am Anschlag liegen und das eingespiegelte Bild sich mit dem Objekt decken. Erreicht der Fokusring den Anschlag zu früh, habt ihr einen Backfocus. Erreicht ihr den Anschlag gar nicht, dürfte es sich um einen Frontfocus handeln. Mitunter fällt diese Abweichung erstmal nicht auf und man gibt sich selbst die Schuld dafür, dass man entferntere Objekte nicht getroffen hat. Besser man kontrolliert auf diese Art eine Fehlstellung hin und wieder. Auch das ist leicht mit einem 2mm-Imbus zu beheben. Man muss nur das Objektiv abnehmen und mit dem Werkzeug, wie auf dem Bild zu sehen, ansetzen. Durch leichtes Drehen kann man die richtige Unendlicheinstellung erreichen, wenn das weit entfernte Objekt mit dem eingespiegelten Bild im Messsucher überlappt und das Objektiv seine korrekte Unendlicheinstellung erreicht hat. Mit ein bisschen Gefühl hat man es schnell raus und alles funktioniert wieder richtig.

 

Project 89.0 Digital

Für eine kurze Zeit gab es in meiner Heimat einen großartigen Radiosender. Mit dem Aufkommen vom Digitalradio schien sich irgendwer ein Herz gefasst zu haben, um all die Musik zu spielen, die man sonst nun selten zu hören bekam. Es war in der Zeit, als Napster noch ein Thema war und wir MP3-Player mit 64MB Speicher mit uns herumschleppten. Ich kam neulich irgendwie wieder drauf, als ich bei meinen Eltern war. Ich erinnere mich noch an den Tag, als dieser Radiosender plötzlich verschwunden war. Es war, als wäre ich abends eingeschlafen und morgens in einem neuen, fast identischen Universum aufgewacht, aber eben in einem nur fast identischen. Es war der erste Schultag der 12. Klasse und ich duschte, aber im Radio quasselte ein Frau irgendwas von 89.0 RTL und es lief auch ein etwas ekliger Song. Ich wollte später rausfinden, was da los war. Erstmal musste ich mich beeilen. Als ich aus dem Haus ging, stand eine Trage vor der Haustür. Rettungssanitäter waren im Haus. Mein Großvater hatte einen neuen Schlaganfall. Ich hatte davon nichts mitbekommen, als ich geduscht hatte und mich noch über das Radioprogramm gewundert habe. Die Situation hat mich völlig überfahren. Ich stand im Schlafzimmer meiner Großeltern. Zwei fremde Sanitäter bereiteten meinen Großvater für den Transport vor und meine Mutter erklärte mir alles in kurzen Sätzen. Ich soll doch einfach schon mal in die Schule gehen. Mittendrin mein Großvater, die mir winkte, als wolle er das alles etwas überspielen. Die Situation war so fürchterlich surreal. Alle schienen es als völlig normal anzusehen. Ich konnte nichts tun. Ich ging also, die Straße rüber zu Ernest, um mit ihm zur Schule zu fahren. Auf halben Weg bog ein Krankenwagen vor uns aus einer Straße. Mein Großvater fuhr nun vor uns. Wir waren auf den Weg zur ersten Stunde, die noch ausfallen sollte und er fuhr ins Krankenhaus, wo er kurz drauf verstarb. Später fand ich raus, dass RTL Projekt 89.0 gekauft hatte, um das Universum mit noch mehr Mittelmäßigkeit zu nerven. Mich hat das immer genervt. Mir hat seitdem immer etwas gefehlt. Die Welt konnte seitdem immer zusammenbrechen und ganz fürchterliche fremde Züge annehmen, bis heute. Nun gibt es eine Spotify Playlist mit dem Radioprogramm von damals. Das Universum fühlt sich nun wieder ein bisschen kompletter an.

Ein Tag am Strand

Manchmal driftet meine Fantasie etwas ab. Ich spiele dann dieses oder jenes in Gedanken durch und träume so vor mich hin. Eines dieser Gedankenspiele war es, sich ins Auto zu setzen und ans Meer zu fahren, aber nicht an die Ostsee, oder rauf zum Timmendorfer Strand. Irgendwie kamen mir die beleuchteten Autobahnen in den Niederlanden, oder Frankreich in den Sinn, obwohl ich damals nie auf einer dieser gefahren war. Ich hatte ja gerade mal einen Führerschein. Wie schön würde es wohl sein, in einer lauen Sommernacht darauf zur Küste zu fahren, weil man am Ende eines Abends beschlossen hat, dass der Abend nicht vor dem Sonnenaufgang am Meer enden dürfte. Es ist eine eklig romantisierte Vorstellung ohne nähere Hintergründe. Es wundert mich etwas, dass ich das solange vergessen hatte. Ich kam erst wieder darauf, als ich gestern Abend die Lichter am Abendhimmel vorbei driften sah, nur eben in die falsche Richtung. Es wäre das perfekte Bild für den Ende dieses Posts, aber manche Bilder fotografiert man nicht, man behält einfach nur die Erinnerung.

Man kann immer noch was lernen.

Als ich angefangen habe zu fotografieren, war das gleich auf der Straße. Street Photography war mir damals noch gar kein Begriff. Ich wollte schlichtweg einfach nicht in ein Studio, oder sonst irgendein festes Setting fotografieren. Eigentlich wusste ich gar nicht was ich will, bis ich es gesehen hatte und das ist heute irgendwie noch genauso. Erst seitdem ich Tomasos Arbeit an seinem Buch 28mm verfolgt habe, hinterfragte ich überhaupt, was ich da über die Jahre gemacht habe. Dann kam auch noch die Leica und ich gewöhnte mich an ein etwas anderes Arbeiten. Mein Interesse und mein Blick auf alltägliche Situationen blieb gleich, aber die Art, wie ich diese dargestellt habe, hatte sich verändert. Das war mir bewusst, aber irgendwie war ich nur damit beschäftigt mein Werkzeug dafür zu verwenden immer gleiches zu erschaffen. Oft waren die Bilder mehr Studien von Personen, als Studien von Situationen, aber eben auch nur manchmal indirekte Porträts, oft eher gar nicht.

Ich habe neulich angefangen, mir den Masters of Photography Course mit Joel Meyerowitz anzusehen. Über die 140,00€, die das Ding kostet, können wir uns jetzt bestimmt länger unterhalten und über den Sinn solcher Kurse ebenfalls. Ich sehe so was ja gerne kritisch. Das Joel einer der Guten ist und man dem Mann einfach immer gut zuhören sollte, steht für mich aber außer Frage. Sehr zu empfehlen ist sein Talk in Milan.

Ich bin noch nicht weit gekommen und so wirklich viel neues hat er mir auch nicht erzählt, der gute Joel, aber eines hat er geschafft, ich achte wieder mehr auf Situationen, um die Bilder mit mehr Inhalt zu füllen. Auch weiß ich eigentlich schon gut, wann und wo ein Bild sich lohnt, aber dennoch fotografiere ich oft dennoch dort, wo es sich eben nicht lohnt. Ich variiere zu selten und bin sehe zu wenig vorher, weil ich nur damit beschäftigt bin, die markanteren, interessanteres, wenn man so will plakativeren Gesichter zu finden.

Nach dem ich die ersten 6 Kapitel geschaut hatte, war ich mit Sheila in Roermond, mehr zufällig als geplant und habe versucht, all das umzusetzen und zu beherzigen, was der gute Joel wieder wachgerufen hat. Ob sich da nun wirklich was verbessert hat, keine Ahnung, aber ich habe große Lust mehr daran zu arbeiten.