Seit ein paar Wochen fasse ich eigentlich keine andere Kamera mehr an, höchstens die Ricoh GR, weil sie eben in die Jackentasche passt, aber seitdem die Leica M9 hier ist, liegt alles andere rum. Neulich habe ich kurz wieder mit der 6D fotografieren müssen, um nicht völlig aus dem Look zu fallen und an die Arbeit meines Projektpartners Daniel anschließen zu können und dabei ist mir aufgefallen, dass sich ein bisschen was verändert hat.

Ich mache weniger Bilder. Als ich mit Ryan eine Stunde unterwegs war, habe ich rund 100 Aufnahmen gemacht. Es war wunderbar einfach auszuwählen und alles passte so schön auf anhieb. Das war mir auch aufgefallen, als ich mit der Canon 6D wieder gearbeitet habe. Eine andere Sache ist, dass ich mich viel mehr damit beschäftige, was auf einem Bild eigentlich passiert, wie Farben funktionieren und ich am Ende plötzlich eine gewisse Natürlichkeit bevorzuge. Ich habe so gar schon überlegt, einfach nur noch die In-Camera-JPEGs zu benutzen… Kurz, ich fotografiere wieder und klicke nicht Stunden in irgendeiner Software rum.

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Erstmal ist die Kamera langsamer, als jedes andere Werkzeug, was man bisher kannte. Man versucht sie zu begreifen und entdeckt dabei herrlich banale, aber großartige Motive.

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Man legt sich auf die Lauer und plant das Bild, bevor die Situation entsteht. Es ist eine Mutmaßung, die real wird. Seitdem ich mich viel mit Alex Webb beschäftige, möchte ich das noch weiter ausbauen.

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Alle jammern über die geringe ISO-Leistung der M9 und auch die M240 ist eben keine A7s. Ich hatte mich, bevor ich die Leica M9 gekauft habe, oft unterhalten und immer wieder gehört, dass man damit ja nicht arbeiten könne und dachte dann aber an alle, die damit sehr wohl gearbeitet haben und es noch immer tun? Oder was ist mit jenen Tagen, als man auf Film fotografierte und ISO 12.500 eben keine Option waren?

Wenn man sein Hirn nutzt und Motive fotografiert, wo auch Motive sind, kommt man mit der Kamera klar. Sicher ist sie nichts für Werbung, oder andere High-Class-Productions aber in der Reportage, oder auf Hochzeiten sehe ich sie sehr wohl. Am Ende packt ihr doch eh alle Grain drüber.

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Man glaubt es nicht, aber dieser schwarze Klumpen wird einfach nicht wahrgenommen. Man kann 1,5m vor einer Person stehen und wird nicht als Bedrohung angesehen. Vielleicht sieht sie zu alt aus?

Meistens stelle ich eine Blende von f8 ein und fokussiere auf 1,5 vor. Dann habe ich am 28mm Ultron eine Schärfentiefe von 1m-5m. Damit kann man gut arbeiten und ist ziemlich schnell.

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Ich bilde mir ein, dass die Kamera ein bisschen funktioniert, als würde man eigentlich auf DIA-Film fotografieren. Ich mag die Farben, wie sie kommen und irgendwie hat sie so eine weiche, weniger technische Dynamik. Der Kodak-Sensor liefert seinen eigenen CCD-Look und irgendwie taugt mir der sehr. Ich arbeite eigentlich nur noch mit ein paar Curves, White Balance und der Sättigung. Alles bleibt sehr rudimentär. Der Look kommt vom Motiv!

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Die Bilder mit Ryan hätte man eigentlich mit einer anderen Kamera machen sollen, aber die einzige Alternative wäre die Ricoh GR gewesen, denn wir mussten das ein bisschen unentdeckt machen. Das hat auch sehr gut funktioniert und wenn man den Kopf nicht ausschaltet, sondern überlegt fotografiert, kommt dabei eine sehr brauchbare Strecke raus, die auch technisch funktioniert. Ja ok, ein AD hätte jetzt gemeckert, weil er nicht seine 50mp bekommt, aber für’s Portfolio reicht das doch.

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Fotografie ist für mich seit je her eine Herzblutangelegenheit. Das ich damit Geld verdiene, ist eher ein notwendiges Übel und wäre es nicht so, bräuchte ich mein Leben keine andere Kamera mehr. Sie hilft mir sehr, mich mehr darauf zu konzentrieren eine eigene Bildsprache zu entwickeln und nicht einfach nur etwas anderes nachzubauen. Leider muss man das aber manchmal, wenn ein Job mit bestimmten Anforderungen daher kommt und so wird wohl die A7 neben der M9 bleiben, aber die Tage der 6D sind wohl gezählt. Ende des Jahres geht sie weg.

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