Künstler / Dienstleister

Ich habe mir in letzter Zeit viele alte Arbeiten angesehen, weil ich nach Material für meine Lightroom Presets suchte. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich eigentlich im letzten Jahr sehr gut werblich fotografiert habe, aber dabei die Kunst, vor allem meine Kunst auf der Strecke blieb. Bevor ich mich selbstständig gemacht habe, fotografierte ich sehr viel mehr nach Herz und weniger nach Verstand. Ich habe nicht überlegt, welche Strecken mir helfen würden, was mein Portfolio noch braucht und das war meine größte Schwäche, als Dienstleister, aber meine größte Stärke als Künstler. Ich möchte nicht behaupten Künstler zu sein, aber ich vertrete die Ansicht, dass jemand der kreativen Output liefert, zwangsläufig kunstschaffend ist.

Man könnte also sagen, meine Kreativität lag am Boden, auch wenn die visuelle Qualität gestiegen war. Seit einige Zeit fotografiere ich wieder mehr für mich und weniger für das Portfolio. Ich erlege mir kleine Aufgaben auf, um nicht wieder zu vergessen, Bilder in erster Linie erstmal für mich zu fotografieren. So möchte ich ein Buch füllen, für mich und so mehr herausfinden, wie ich visuell arbeiten möchte, nicht wie es ein Markt gerade gerne sieht. Irgendwo habe ich zwar bei jeder Produktion meinen Kopf durchgesetzt und der ist auch nichts weiter als eine meinem Herzen unterstellte Institution meines Körpers, aber ich war sprunghaft, wenig gradlinig und wollte ständig in neue Richtungen.

Nun kann ich zwar ne ganze Menge, aber das hilft mir nicht dabei Inhalte, Geschichten in Bildern zu erzählen. Wir halten uns zu oft mit Werkzeugen auf und beschäftigen uns zu wenig mit den eigentlichen Inhalten der Fotografie. Aktuell stehe ich da vor einem neuen Dilemma. Die Spiegelreflexausrüstung kann eigentlich weg, aber zum Teil werde ich die Ausrüstung noch für Jobs benötigen. Das sagt zumindest der Dienstleister in mir und der Künstler schreit laut: „Halt die Klappe!“.

Gestern habe ich eine Tasche mit zum Job geschleppt, die voller war, als sie hätte sein müssen, nur um sicher zu gehen. Ich brauchte genau 3 Dinge. Leica M, 35mm Summicron und 28mm Ultron, wobei ich es auch mit nur einer Optik hätte fotografieren können. Vielleicht verkaufe ich bald einfach alles. Risiko hat schon immer geholfen, wirklich konsequent zu sein, mir zumindest. Ich möchte auch nicht mehr so viel an den Bildern machen. Mal gucken, wie lange ich das durchhalte. Das es sich lohnt, seinen Weg zu finden und durchzuhalten, sehe ich gerade oft in meinem Umfeld. Da zahlt sich die Arbeit und die Sturheit, gerade aus und das sehr verdient. Ich mache also da weiter, wo ich 2013 schon mal war und schau wenige auf die Portfolios anderer, aber höre dafür mehr auf mein Herz.