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Juni 05, 2012 - 3 comments

Digi­tal ist tot!

…sagt der Held der Geschichte laut und der Raum erstarrte! Er hatte die unge­teilte Auf­merk­sam­keit. Was ein impul­si­ver Aus­spruch war, der Wunsch nach kon­kre­te­rem, ech­te­rem, ehr­li­che­rem… Anders! End­lich mal die Dinge rich­tig machen. Kein Fast­food mehr und gegen die Het­ze­rei! Zeit­reise! Ich kaufte irgend­wann ein­mal eine Holga 120 auf eBay. Keine Ahnung, das da ja Roll­film rein muss und ein paar Tage vor dem Hur­ri­cane Fes­ti­val. Ich wollte foto­gra­fie­ren und ich wollte nicht ris­kie­ren. Ich glaube, ich habe nur 5 oder 6 Filme mit die­ser Kamera belich­tet. Ich war arm, Stu­dent! Die Ergeb­nisse gli­chen einem Glücks­spiel. Auf meine Glück ver­ließ ich mich damals nicht so gerne. Irgend­wann kaufte ich wie­der für 30€ eine Prak­tika MTL-​5 samt defek­ter Optik. Zag­haf­tes Pro­bie­ren, meist Freunde, meist auf dem Bal­kon im Som­mer… Ändern sollte sich alles mit der Seagull-​4A, die ich als Geschenk erstand. Ein Blick durch die Matt­scheibe und ich war ver­liebt. Ich wurde Stamm­kunde bei einer Dro­ge­rie­markt­kette und wäre es Schle­cker gewe­sen, ich hätte den Laden alleine ret­ten kön­nen. Arm war ich aber immer noch. Filme impor­tierte ich aus Thai­land, da ich so 3 Wochen war­tete und 50 Cent für die Rolle spa­ren konnte. Farb­film natür­lich. Alles andere kos­tete ja mehr. Es war eine Form von Luxus. Schwarz­weiß­filme hob ich mir für beson­dere Momente auf. David Lynch kann man ein­fach nicht digi­tal foto­gra­fie­ren. Ich würde für immer in der schwar­zen Hütte von Bob übers Knie gelegt wer­den, das war klar. Kodak Tri-​X 400 und eine Konica C35 schie­nen mir ange­mes­sen. Ich war sel­ten so beein­druckt. Irgend­wie foto­gra­fierte ich anders. Nur 36 Bil­der und keine Mög­lich­keit zu prü­fen. Danach war klar, irgend­was läuft dabei anders. Ich funk­tio­niere anders. Irgend­wann fiel mir auf, dass ich ja einen fes­ten Job hatte und ich mir die­sen Luxus leis­ten konnte. Yashica T3, Mamiya M645Pro und die Hexar AF kamen ins Haus. Ich bekam ein Ent­wick­lungs­set geschenkt und ent­wi­ckelte selbst. Ich fühlte mich groß­ar­tig. Irgend­wie wie nach der ers­ten erfolg­rei­chen Pene­tra­tion. Fahr­rad­fah­ren ohne Stütz­rä­dern, frei­hän­dig… und dann auf die Fresse flie­gen. Man macht Feh­ler, ver­steht die Welt nicht mehr. Unge­duld, ist dein schlimms­ter Feind! Aber es ist neu und du willst stän­dig rum­fum­meln, wie an dei­ner ers­ten Freun­din. Spä­ter wünscht du dir, du hät­test dir mehr Zeit genom­men. Man lernt, wächst und ver­liebt sich immer neu.

Kame­ras

Yashica T3

Die Knipse! Sie mag es schnell, ein­fach und dre­ckig. Wird es mal etwas nas­ser, hat sie damit kein Pro­blem und auch sonst kann man sie hart ran­neh­men. Ein­stel­len kann man kaum etwas. Fuck it, it’s fun! Die Optik ist sehr gut und für jeden Fall zu gebrau­chen, wenn man Füße hat. Terry
nahm den Nach­fol­ger, aber Terry kann es egal sein, denn bei ihm zäh­len Namen und Tit­ten. Bei mir F2.8… na ja und Titten!


Digital ist tot!

Hexar AF
Seve­rin hat mich drauf gebracht. Die M6 mit 35mm kann man sich damit auch spa­ren und trotz­dem ist sie eine Wert­an­lage. Sie ist ein­we­nig, wie die zickige Luxus­freun­din, die ihr in er Sauna des letz­ten Tagungs­ho­tels auf­ge­ris­sen habt. Zu allem bereit, aber manch­mal bockt die Bitch. Fokus dane­ben, über­be­lich­tet, oder sie ver­sagt ganz den Dienst, wenn es ihr zu kalt ist. Wenn sie es aber bringt, besorgt sie es euch richtig.

Digital ist tot!

Mamiya M645 Pro
Arbeits­tier und Puff­mut­ter! Sie ist die Her­rin und wird benutzt, geht es um die geplan­ten, orga­ni­sier­ten Foto­gra­fien von Men­schen für die ich mir Zeit nehme. Du musst wis­sen, was du da tust, sonst ver­saust du die Num­mer und nicht sie. Beim Ent­wi­ckeln der Filme braucht es etwas mehr Gefühl, sonst gelingt das Ein­spu­len ein­fach nicht gut. Die Opti­ken sind ver­hält­nis­mä­ßig güns­tig und sehr gut. Dabei ist sie noch nicht ganz so schwer, wie die RB/​RZ67. 80mm F1.8 spre­chen auch noch sehr für diese Kamera.

Digital ist tot!

Seagull-​4a
Twin­lens! Ein biss­chen wie wenn Sybille und Caro auf der Rück­bank im Auto knut­schen und du sie im Rück­spie­gel ertappst. Keine Roll­eif­lex, aber immer­hin etwas. Sie ist robust, aber die Auto­ma­tik des Selbst­aus­lö­sers blo­ckiert gerne mal den Aus­lö­ser. Muss man wis­sen, dann kommt man klar.

Digital ist tot!

Filme

Kodak T-​Max 400
Der beste Film. Für jede Licht­si­tua­tion zu gebrau­chen und ein­fach wie die beste Freun­din, die du anrufst, nach­dem dich das Mäd­chen von neu­lich doch schon wie­der ver­las­sen hat. Hier weißt du, was du bekommst und auf gepushte ISO 3200 zäh­len zu kön­nen, ist die Liebe, die du immer füh­len woll­test. Das Korn ist ange­nehm und der Film ist recht scharf.
Digital ist tot!

Kodak TriX 400
Das Mäd­chen was du immer wie­der triffst und dich kurz auf sie ein­lässt. Sie ist gut, keine Frage, aber irgend­was stört dich. Du bist dir unsi­cher, ob du nicht das Pro­blem bist. Irgend­wie stimmt da was nicht. Ich muss mal D76 ver­su­chen und Rodi­nal in die Ecke stellen.

Rol­lei Retro /​Agfa APX 100
Hier geht immer was. Ein­fach, bil­lig, schnell und immer gut. ISO 100 sind etwas wenig, aber bei schö­nen Wet­ter ist die­ser Film, wie Jas­min, von der du den Nach­na­men nicht kennst. Ihr liegt im Park rum, knutscht wild, esst Döner und trotz­dem weiß sie nicht, wo du wohnst. Wenn ihr euch zufäl­lig wie­der trefft, wird es wie­der so sein.

Digital ist tot!

Ilford FP4
Ange­nehm für Por­träts, aber nicht so gut push­bar. Nicht mehr, nicht weni­ger. Etwas teu­rer als der TMax400.

Ilford HP5
Die Alter­na­tive zum TMax 400. Das Groß­la­bor hat mir schon derbs­tes Korn gezau­bert, selbst kam ich bes­ser zurecht. Ach er ist gut push­bar und ver­zeiht dir auch mal einen Fehltritt.

Digital ist tot!

Kodak Por­tra 160400

Farbe! Gut, nüch­tern, hoch­auf­lö­send. Würde ich die roten Lip­pen von Jana foto­gra­fie­ren wol­len, würde ich die­sen Film neh­men. Ganz klar!

Digital ist tot!

Meine nächste Kamera wird dann aber doch wie­der digi­tal und sünd­haft teuer. Man muss ja mit irgend­was den gan­zen Spaß finanzieren.