Hallo, ich bin Fotograf in Wuppertal und fotografiere Reportagen, Porträts und Hochzeiten.

Tag : Fotografischer Film

…sagt der Held der Geschichte laut und der Raum erstarrte! Er hatte die unge­teilte Auf­merk­sam­keit. Was ein impul­si­ver Aus­spruch war, der Wunsch nach kon­kre­te­rem, ech­te­rem, ehr­li­che­rem… Anders! End­lich mal die Dinge rich­tig machen. Kein Fast­food mehr und gegen die Het­ze­rei! Zeit­reise! Ich kaufte irgend­wann ein­mal eine Holga 120 auf eBay. Keine Ahnung, das da ja Roll­film rein muss und ein paar Tage vor dem Hur­ri­cane Fes­ti­val. Ich wollte foto­gra­fie­ren und ich wollte nicht ris­kie­ren. Ich glaube, ich habe nur 5 oder 6 Filme mit die­ser Kamera belich­tet. Ich war arm, Stu­dent! Die Ergeb­nisse gli­chen einem Glücks­spiel. Auf meine Glück ver­ließ ich mich damals nicht so gerne. Irgend­wann kaufte ich wie­der für 30€ eine Prak­tika MTL-​5 samt defek­ter Optik. Zag­haf­tes Pro­bie­ren, meist Freunde, meist auf dem Bal­kon im Som­mer… Ändern sollte sich alles mit der Seagull-​4A, die ich als Geschenk erstand. Ein Blick durch die Matt­scheibe und ich war ver­liebt. Ich wurde Stamm­kunde bei einer Dro­ge­rie­markt­kette und wäre es Schle­cker gewe­sen, ich hätte den Laden alleine ret­ten kön­nen. Arm war ich aber immer noch. Filme impor­tierte ich aus Thai­land, da ich so 3 Wochen war­tete und 50 Cent für die Rolle spa­ren konnte. Farb­film natür­lich. Alles andere kos­tete ja mehr. Es war eine Form von Luxus. Schwarz­weiß­filme hob ich mir für beson­dere Momente auf. David Lynch kann man ein­fach nicht digi­tal foto­gra­fie­ren. Ich würde für immer in der schwar­zen Hütte von Bob übers Knie gelegt wer­den, das war klar. Kodak Tri-​X 400 und eine Konica C35 schie­nen mir ange­mes­sen. Ich war sel­ten so beein­druckt. Irgend­wie foto­gra­fierte ich anders. Nur 36 Bil­der und keine Mög­lich­keit zu prü­fen. Danach war klar, irgend­was läuft dabei anders. Ich funk­tio­niere anders. Irgend­wann fiel mir auf, dass ich ja einen fes­ten Job hatte und ich mir die­sen Luxus leis­ten konnte. Yashica T3, Mamiya M645Pro und die Hexar AF kamen ins Haus. Ich bekam ein Ent­wick­lungs­set geschenkt und ent­wi­ckelte selbst. Ich fühlte mich groß­ar­tig. Irgend­wie wie nach der ers­ten erfolg­rei­chen Pene­tra­tion. Fahr­rad­fah­ren ohne Stütz­rä­dern, frei­hän­dig… und dann auf die Fresse flie­gen. Man macht Feh­ler, ver­steht die Welt nicht mehr. Unge­duld, ist dein schlimms­ter Feind! Aber es ist neu und du willst stän­dig rum­fum­meln, wie an dei­ner ers­ten Freun­din. Spä­ter wünscht du dir, du hät­test dir mehr Zeit genom­men. Man lernt, wächst und ver­liebt sich immer neu.

Kame­ras

Yashica T3

Die Knipse! Sie mag es schnell, ein­fach und dre­ckig. Wird es mal etwas nas­ser, hat sie damit kein Pro­blem und auch sonst kann man sie hart ran­neh­men. Ein­stel­len kann man kaum etwas. Fuck it, it’s fun! Die Optik ist sehr gut und für jeden Fall zu gebrau­chen, wenn man Füße hat. Terry
nahm den Nach­fol­ger, aber Terry kann es egal sein, denn bei ihm zäh­len Namen und Tit­ten. Bei mir F2.8… na ja und Titten!


Scan10029 Digital ist tot!

Hexar AF
Seve­rin hat mich drauf gebracht. Die M6 mit 35mm kann man sich damit auch spa­ren und trotz­dem ist sie eine Wert­an­lage. Sie ist ein­we­nig, wie die zickige Luxus­freun­din, die ihr in er Sauna des letz­ten Tagungs­ho­tels auf­ge­ris­sen habt. Zu allem bereit, aber manch­mal bockt die Bitch. Fokus dane­ben, über­be­lich­tet, oder sie ver­sagt ganz den Dienst, wenn es ihr zu kalt ist. Wenn sie es aber bringt, besorgt sie es euch richtig.

img006 Digital ist tot!

Mamiya M645 Pro
Arbeits­tier und Puff­mut­ter! Sie ist die Her­rin und wird benutzt, geht es um die geplan­ten, orga­ni­sier­ten Foto­gra­fien von Men­schen für die ich mir Zeit nehme. Du musst wis­sen, was du da tust, sonst ver­saust du die Num­mer und nicht sie. Beim Ent­wi­ckeln der Filme braucht es etwas mehr Gefühl, sonst gelingt das Ein­spu­len ein­fach nicht gut. Die Opti­ken sind ver­hält­nis­mä­ßig güns­tig und sehr gut. Dabei ist sie noch nicht ganz so schwer, wie die RB/​RZ67. 80mm F1.8 spre­chen auch noch sehr für diese Kamera.

2 Bearbeitet Digital ist tot!

Seagull-​4a
Twin­lens! Ein biss­chen wie wenn Sybille und Caro auf der Rück­bank im Auto knut­schen und du sie im Rück­spie­gel ertappst. Keine Roll­eif­lex, aber immer­hin etwas. Sie ist robust, aber die Auto­ma­tik des Selbst­aus­lö­sers blo­ckiert gerne mal den Aus­lö­ser. Muss man wis­sen, dann kommt man klar.

Scan20085 Digital ist tot!

Filme

Kodak T-​Max 400
Der beste Film. Für jede Licht­si­tua­tion zu gebrau­chen und ein­fach wie die beste Freun­din, die du anrufst, nach­dem dich das Mäd­chen von neu­lich doch schon wie­der ver­las­sen hat. Hier weißt du, was du bekommst und auf gepushte ISO 3200 zäh­len zu kön­nen, ist die Liebe, die du immer füh­len woll­test. Das Korn ist ange­nehm und der Film ist recht scharf.
Scan100081 Digital ist tot!

Kodak TriX 400
Das Mäd­chen was du immer wie­der triffst und dich kurz auf sie ein­lässt. Sie ist gut, keine Frage, aber irgend­was stört dich. Du bist dir unsi­cher, ob du nicht das Pro­blem bist. Irgend­wie stimmt da was nicht. Ich muss mal D76 ver­su­chen und Rodi­nal in die Ecke stellen.

Rol­lei Retro /​Agfa APX 100
Hier geht immer was. Ein­fach, bil­lig, schnell und immer gut. ISO 100 sind etwas wenig, aber bei schö­nen Wet­ter ist die­ser Film, wie Jas­min, von der du den Nach­na­men nicht kennst. Ihr liegt im Park rum, knutscht wild, esst Döner und trotz­dem weiß sie nicht, wo du wohnst. Wenn ihr euch zufäl­lig wie­der trefft, wird es wie­der so sein.

Scan 120424 0025 Digital ist tot!

Ilford FP4
Ange­nehm für Por­träts, aber nicht so gut push­bar. Nicht mehr, nicht weni­ger. Etwas teu­rer als der TMax400.

Ilford HP5
Die Alter­na­tive zum TMax 400. Das Groß­la­bor hat mir schon derbs­tes Korn gezau­bert, selbst kam ich bes­ser zurecht. Ach er ist gut push­bar und ver­zeiht dir auch mal einen Fehltritt.

 Digital ist tot!

Kodak Por­tra 160400

Farbe! Gut, nüch­tern, hoch­auf­lö­send. Würde ich die roten Lip­pen von Jana foto­gra­fie­ren wol­len, würde ich die­sen Film neh­men. Ganz klar!

Scan20007 Digital ist tot!

Meine nächste Kamera wird dann aber doch wie­der digi­tal und sünd­haft teuer. Man muss ja mit irgend­was den gan­zen Spaß finanzieren.

Ich las heute das Inter­view mit Seve­rin, was mich nicht nur wegen der vie­len Schreib­feh­ler beein­druckte, son­dern etwas aus­for­mu­lierte, was sich in mei­nen Gedan­ken schon län­ger formte. Ich foto­gra­fiere zur Zeit wesent­lich lie­ber auf Film. Die­ser Pro­zess kam schlei­chend und zuerst habe ich fest­ge­stellt, dass ich etwas andere Bil­der mache, wenn ich nur 36 Auf­nah­men hab. Spä­ter dann war ich ver­wun­dert, als ich mich bemü­hen musste 12 Nega­tive zu fül­len und eigent­lich nach 6 schon hätte auf­hö­ren kön­nen. Die ers­ten Scans vom 6×6 Nega­tiv haben mich beein­druckt und hätte ich David Lynch digi­tal foto­gra­fiert, es wären nicht die glei­chen Bil­der gewor­den. Seve­rin hat recht, Film hilft dir einen Stil aus­zu­ar­bei­ten und zu behal­ten. Viel zu sehr springe ich zwi­schen sinn­lo­sen Light­room Pre­sets hin und her, oder ver­biege Foto­gra­fien nach­träg­lich in Pho­to­shop. Das ist nicht falsch, aber hilft nie­man­den, bes­ser zu foto­gra­fie­ren. Darum traf ich just, nach­dem ich das Inter­view las die Ent­schei­dung, nur noch auf Film zu foto­gra­fie­ren, wenn es denn kein kom­mer­zi­el­ler Auf­trag ist, der das eben nicht zulässt. Ein­zig für das kom­mende Future Islands Kon­zert werde ich noch mal die digi­tale Schnapp­schuss­ka­mera bemü­hen, denn die Yashica T3 eig­net sich nun nicht gerade für Kon­zer­te­fo­to­gra­fie. Es fol­gen Bil­der vom letz­ten Film aus der Yashica T3.

Scan 120217 0027 Bekanntmachung

Scan 120217 0026 Bekanntmachung

Scan 120217 0025 Bekanntmachung

Scan 120217 0022 Bekanntmachung

Scan 120217 0019 Bekanntmachung

Scan 120217 0017 Bekanntmachung

Scan 120217 0015 Bekanntmachung

Scan 120217 0011 Bekanntmachung

Scan 120217 0009 Bekanntmachung

Scan 120217 0007 Bekanntmachung

Scan 120217 0006 Bekanntmachung

Scan 120217 0004 Bekanntmachung

Bekannt­ma­chung
Analog / 17. Februar 2012 View

Ich hatte ja schon geschrie­ben, das aus Grün­den ges­tern eher einer der mie­se­ren Tage war. Neben dem unglaub­li­chen Nässe am Mor­gen erfuhr ich spä­ter noch, Kodak würde Gläu­bi­ger­schutz bean­tra­gen wol­len. Diese Bot­schaft nahm ich unge­fähr ähnlich gut auf, als sei die Lieb­lings­groß­tante erkrankt. Die Marke wird nicht ein­fach ver­schwin­den, aber es wird sich ver­mut­lich auch eini­ges ändern. Da die ganze Welt digi­tal schreit und ana­lo­ges von man­chem als läs­ti­ger Klotz emp­fun­den wer­den wird, fürchte ich etwas um den foto­gra­fi­schen Film. Ich fürchte um meine Lieb­lings­filme, wollte ich doch mit dem Por­tra und Tri-​X /​TMAX noch einige Jahre arbei­ten. Über­haupt stehe ich gerade erst am Anfang. Mor­gen werde ich zum ers­ten Mal einen Film selbst ent­wi­ckeln. Die Che­mie kommt von Kodak, der Film auch. Ich bereue es schon genug, nie Kodachrome ver­schos­sen zu haben. Auch wenn Kodak nur ein wei­te­res Welt­un­ter­neh­men ist, pro­fit­ori­en­tiert und den Geset­zen der Volks­wirt­schaf­ten unter­wor­fen, steht sehr viel hin­ter die­ser Marke. Kodak hat Foto­gra­fie jedem ermög­licht, war es doch die Kodak-​Box-​Kameras, die aus Kin­dern groß­ar­tige Foto­gra­fen wer­den lie­ßen. Wie viele wich­tige Bil­der sind auf Fil­men die­ser Firma ent­stan­den? Der Ein­fluss ist gigan­tisch. Klar ist das das Erbe und man muss sich um die Zukunft Gedan­ken machen. Ich würde mir aber sehr wün­schen, dass Kodak nicht ein­fach so ver­schwin­det und nicht ein­fach so kei­nen foto­gra­fi­schen Film mehr pro­du­ziert. Ich habe mich doch in den Por­tra und den TMAX so sehr ver­liebt. Brecht mir also bitte nicht das Herz. In dem Sinne, Kodak, wie geht es dir? Wenn du was brauchst, ich dir hel­fen kann, sag es mir. Gute Besserung!


Loading