Konfusion.

Ich fotografiere nicht mehr so viel, wie früher. Das kommt vor allem daher, dass ich einfach sehr gut gelernt habe, wann es sich einfach nicht lohnt. Das Problem daran ist, es lohnt sich sehr oft nicht und an den wenigen Tagen, Orten und Momenten, wo man mal an seiner Kunst arbeiten kann, fällt einem plötzlich auf, dass man eigentlich gar nicht mehr weiß, wohin das alles führen soll. Also wo will ich hin?

Ich habe sehr verschiedene Einflüsse und Inspirationsquellen. Da wäre Jo Fischer, oder Ian Howart, aber auch Leute aus der Werbung, wie David Daub, oder Yannick Wolff. Dann sind da noch Größen wie Alex Webb, oder David Alan Harvey, aber auch Magdalena Wosinska. Aus all dem ein Süppchen zu kochen, was immer schmeckt, ist schon schwer. Teilweise fehlen mir einfach die Zutaten. Ich lebe weder am Meer, wie David Alan Harvey, oder bereise die Welt, noch bin ich regelmäßig von “naked dudes on cocain” umgeben, wie Magdalena Wosinska mal ihr erstes Buch in Worten zusammengefasst hat. Kann man alles ändern, aber es gibt auch gute Gründe es nicht zu tun.

Mir fehlt einfach gerade so ein bisschen das Warum. Warum fotografiere ich in Nürnberg Straße? Ist das Relevant? Braucht das wer? Fügt sich das in einem größerem Gesamtkonzept zusammen? Man könnte sagen, dass man das ja auch immer erstmal für sich selbst tut, aber ich tue das eben auch um zu wachsen und seit Jahren wachse ich nur langsam. Wenn ich lange genug auf die Bilder schaue, mag ich sie immer weniger. Ich gewöhne mich an sie. Meine Begeisterung schwindet kontinuierlich. Auf eine Art ist das auch hilfreich, weil man so weniger zeigt und den Unsinn mal verschwinden lässt, statt jede Scheiße zu Instagram-Gold verwandeln zu wollen. Motivierend ist das dann aber nicht und manchmal braucht man einfach eine gute Antwort auf das Warum, damit man auch sich morgen noch bemüht.

Eine andere Sache ist, dass ich durch die Arbeit an The Classic Presets, viel zu viele Optionen habe, um die Bilder später noch ein bisschen zu veredeln. Meine Inspirationsquellen bringen mich aber auch hier völlig durcheinander. Welchen Film lege ich ein? Fotografiere ich mit der M oder der X-Pro 2? Auf welchen Look will ich hinaus? Da klicke ich mich die Tage durch das Portfolio von Yannick Wolff und es ist schlichte Schönheit, die ich finde. Die Motive, das Licht, die Story können alleine alles. Da braucht es kein fancy Preset. Auch in der Werbung finde ich immer mehr schlichte Looks.

Also, ich will mich ja entwickeln, aber wohin? Was ist klug? Es anderen nach zu turnen, die aktuell wichtig sind, vermutlich nicht, aber was bleibt dann noch? Vielleicht ist es einfacher in Büchern zu denken. Konkrete Geschichten zu erzählen und nicht einfach alles aufzuschnappen, was vor den eigenen Augen passiert? Ich bin verwirrt.

Gestern habe ich vermutlich nur so viel Straße fotografiert, weil ich kurz nachdem ich in Nürnberg angekommen war, von zwei Herren angesprochen wurde und ein sehr schönes Gespräch über meine Leica geführt habe. Sie baten mich etwas ehrfürchtig um ein Porträt und das war sehr motivierend und irgendwie schön. Man vergisst so schnell, dass andere irgendwie auch Bilder sehen wollen. Likes ersetzen halt kein Gespräch.