Die Konfusion hält an.

Es gelingt mir langsam, die Probleme mit meiner Fotografie besser zu benennen. Street Photography betreibe ich so nebenbei. Es geht immer irgendwie darum, dass ich irgendwo bin und Eindrücke sammle. Ich fotografiere, wie ein Tourist, nur dass es eben Menschen und Situationen sind, statt Sehenswürdigkeiten. Dem liegt kein Konzept zugrunde. Ich sammle einfach, was mir möglich ist. Eine übergeordnete Story gibt es nicht. Es ist immer nur “André war irgendwo und hat irgendwas gesehen.”. Betrachte ich andere Gerne, die ich auch bediene, dann geht es dort wesentlich mehr um Story und Emotion. Teils simple Ereignisse, wie einfallendes Sonnenlicht am Abend, versuche ich dann in eine komplexe Empfindung zu verwandeln. (Wie eklig es klingen kann, wenn man versucht zu beschreiben, was man da tut.) Das gelingt mir auf der Straße seltener. Ich vermisse dort eine gewisse Eloquenz in meinen Bildern und ich weiß nicht, wie ich sie erzeugen soll, um zufriedener zu sein. Es kommt mir auch etwas so vor, als würde ich mich da abmühen, ohne dass es eine große Bedeutung haben würde. Wenn man mal für ein Bild kämpfen muss, stellt man fest, dass es eigentlich auch egal ist, ob man es gemacht hat, oder eben nicht. Wir fotografieren so viel, haben so viele Medien um uns und konsumieren in kleinsten uns zur Verfügung stehenden Zeiteinheiten, immer noch mehr. Man könnte manchmal froh sein, wenn man sich nichts neues mehr ansehen muss, weil jemand mal nicht fotografiert hat und uns das Zeug nun auch noch zeigen will.
Meistens finde ich irgendeinen Menschen interessant, der mir in 20m entgegen kommt. Dann habe ich 15m Zeit darüber nachzudenken, ob und wie ich ihn fotografieren möchte. Meistens kommt dann auch gleich der nächste und es verkommt zu einem sehr oberflächlichen Akt des Sammelns. Man müsste sich eigentlich mit jedem mehr auseinandersetzen. Sie in Gespräche verwickeln und kennenlernen, wirklich kennenlernen. Das könnte dann aber nicht mehr nebenbei geschehen und es bräuchte ein Warum, eine Begründung, wieso ich das überhaupt mache und sie müsste für jeden einleuchtend sein. Darüber habe ich jetzt ein bisschen nachgedacht und komme zu keiner Antwort, denn es ist zu tiefst egoistisch und es gibt dahinter auch kaum einen Mehrwert für die Gesellschaft. Früher, als wir wenige Fotografen hatten und noch weniger, die ihren Blick auf Zeitgeschichte und Gesellschaft richteten, waren sie wichtige Zeitzeugen. Heute produziert jeder selbst mehrere verschiedene Realität von sich selbst und wirft sie dazu noch netterweise auf Server, die große zeithistorische Sammlungen werden.
Mir fehlt zunehmend die Rechtfertigung und so entferne ich mich immer mehr von dem Genre, weil ich mir jetzt schon wieder selbst auf die Nerven gehe, mit dem ganzen darüber Nachdenken.