Neid, oder so.

Ich bin wirk­lich kein beson­ders nei­di­scher Mensch. Ich gönne vie­len ihren ver­dien­ten Erfolg und unter­stütze jedes Vor­an­kom­men gerne mit gan­zem Her­zen. Manch­mal fehlt mir aber die Recht­fer­ti­gung für man­ches zu sehr. Die auf­ge­bla­se­nen Arti­kel eini­ger Blogs, die eigent­lich nur belang­lo­ses dahin plau­dern. Dinge, die eben gar nicht so beson­ders sind, aber hoch gelobt wer­den. Momente in denen Stille wert­vol­ler wäre, als lau­tes Geschrei. Ich frage mich dann, was würde ich mit­brin­gen, wenn man mich nach NY schaf­fen würde, oder wie würde meine Repor­tage aus­se­hen, ließe man mich eine Fashion Week doku­men­tie­ren. Hier an die­ser Stelle, da schreit mein Ego und ich beru­hige es aber gleich wie­der. Auch wenn ich mir sehr sicher zu sein scheine, gran­dio­ses und ver­meint­lich bes­se­res schaf­fen zu kön­nen, hat es eigent­lich keine Bedeu­tung und wäre eben wirk­lich nur für mein Ego ein Antrieb. Etwas, dass nie­mand braucht. Und trotz­dem, da ist die­ses Gefühl, die­ses — “Warum ER?”. (Ich weiß, es geht hier um Zugriffs­zah­len und Mei­nungs­ma­cher.)
Ich betrachte Foto­gra­fie als Hobby. Manch­mal habe ich die Mög­lich­keit mein Gehalt mir mit genau die­sem Hobby zu ver­die­nen. Das ist toll, aber des­we­gen bin ich kein Berufs­fo­to­graf. Die­ser Umstand lässt mich letzt­end­lich das Thema doch wie­der gelas­sen sehen. Ich brau­che die­sen “Erfolg” nicht. Ruhm und Ehre sind nicht rele­vant, damit ich so schul­den­frei es denn in unse­rer Gesell­schaft geht, leben kann. Es ginge dann doch wie­der nur um mich — meine eigene Ent­wick­lung. Es ist die­ser innere Drang vor­an­kom­men zu müs­sen. Sich zu stei­gern und hey, ich hab im letz­ten Jahr gelernt, dass ich mit guten Bil­der heim­kom­men kann, wenn die Motive ebenso gut sind. Ich habe Sport­ar­ten foto­gra­fiert, die mich nicht inter­es­sie­ren und wo mir jeg­li­cher Bezug fehlt. Die Bil­der liebe ich aber. Mit die­ser Erkennt­nis ist es noch schwe­rer, sich nicht mehr Mög­lich­kei­ten zu wün­schen. Nun erwarte ich keine Geschenke und ich werde mich selbst darum küm­mern. Die­ses Jahr umso mehr, das ist sicher. Was aber ebenso sicher ist, ich werde mich noch öfter fra­gen, warum man­cher eben diese Mög­lich­kei­ten ein­fach so — und ja das muss nicht so sein — geschenkt bekommt.



5 Kommentare

  1. Martin wrote:

    Denk ich mir auch oft. Aber manch­mal ist es eben bes­ser die Klappe zu hal­ten und sich sol­che Chan­cen eben selbst zu erar­bei­ten. Klar macht es einen inner­lich mas­siv fer­tig, aber genau dies kann auch mein Antrieb sein.

    Ein­fach wei­ter machen und weni­ger nach Links und Rechts schauen.. Hilft mir zumindest — oft.

  2. Sebastian wrote:

    Das ist wahr­schein­lich das Beste und Ehr­lichste, was ich seit lan­gem gele­sen habe.

  3. Marc vm wrote:

    Gut for­mu­liert, ähnli­ches habe ich mir mal still auf nen Zet­tel geschrie­ben ;)
    Neid hat auch posi­tive Sei­ten, genauso wie Miss­gunst und Ego­is­mus. Man muss diese posi­ti­ven Sei­ten nur anneh­men und in Antrieb umwandeln.

  4. Tobi wrote:

    Wer will schon zur Fashion Week? ;) Nein, aber mal ehr­lich. Sol­che Pri­vi­le­gien sind toll, haben aber nichts mit der Qua­li­tät als Foto­graf zu tun.

  5. André Duhme wrote:

    Es geht ja nicht nur darum gute Arbeit zu machen. Mög­lich­kei­ten über­haupt zu arbei­ten, die Welt zu sehen und vor allem mit Men­schen zu reden, sie ken­nen­zu­ler­nen und zu begeis­tern, das ist das, was mich inter­es­siert. Das sind Dinge, die man sich sonst erkau­fen muss und mein Bud­get ist immer noch eher gering.

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