os x 10.7.3 auf dem pc?
Manchmal, da nerde ich etwas herum und bastel hier und bastel da. Das war früher mal noch viel schlimmer, aber das schweige ich jetzt mal gekonnt tot. Irgendwann 2005 glaube ich, hörte ich davon, das OS X jetzt auch auf PC laufen kann, da Apple die PowerPC Architektur aufgegeben hatte. Leuchtet ein, wenn man überlegt, dass die auch nur standardisierte Intel-Komponenten verbauen. Damals war das aber alles noch wesentlich schwieriger, als es denn heute ist und ich bin erstmal gescheitert. Da ich eh ein Notebook brauchte, kaufte ich ein MacBook und alles war gut. Ich wollte ja eh nur Final Cut benutzen. Nach einer Weile war ich dann aber doch von der Benutzbarkeit des Betriebssystems so angetan, dass ich den PC aus seinem Schattendasein befreien wollt, denn den benutzte ich kaum noch. Das war zu Beginn meines Studiums und ich brauchte einfach ein gescheites Arbeitssystem. Etwas das einfach läuft. Damals kursierten speziell angepasste Installations-Images und nach einer Investition in eine SATA Festplatte und eine neue Grafikkarte von NVIDIA, hatte ich einen kleinen MacPro. Gebastel war das aber immer noch. 3 Tage googlen und unzählige Foren musste ich durchstöbern um eine WLAN-Karte in Betrieb zu nehmen. Stabil lief aber alles, wenn es denn einmal lief. Updates waren eher nicht so das Thema, wenn man nicht gerade Lust auf einen Installations-Tag hatte.
Gestern war ich dann sehr erstaunt, wie einfach und schnell das mittlerweile funktioniert. Ich hatte seit 1,5 Jahren kein OS X mehr installiert und war nun gezwungen doch mal ein Update zu fahren. Allein schon wegen der Reeder App. Vorweg, das erstellen des Installationsmediums war der längste Part. Aber nun gut, wie geht denn das jetzt eigentlich, mag sich der geneigte Leser fragen.
1. Das Mainboard
Zunächst sollte man erstmal rausfinden, ob das eigene Mainboard mit all seinen lustigen Komponenten (Festplatten-Controller, Netzwerk und Audioschnittstellen..) komplett mit Treibern unterstützt wird. Dazu gibt es einige Listen und einiges an Knowledge Base-Kram im Internet. Ich entschied mich für die Kakewalk Methode, da dieses nette Stück Software viele Gigabyte Mainboards unterstützt.
2. Die Grafikkarte
Auch hier einfach mal in den entsprechenden Listen nachsehen. Wenn der Chipsatz auftaucht, sollte eigentlich alles funktionieren.
3. Die Festplatte
Am besten habt ihr eine Festplatte über und könnt diese mit einem HFS+ Dateisystem formatieren. OS X kann NTFS zwar nativ lesen, aber nicht beschreiben. Wenn OS X erstmal läuft könnt ihr aber einen NTFS Treiber einfach nachträglich installieren, damit ihr wieder auf eure Windows-Partitionen voll zugreifen könnt.
4. Das Installtionsmedium
Früher braucht man ein angepasstes Installtions-Image, oder musst von einem schon laufenden OS X booten können. Heute reicht ein USB Stick (mindestens 8GB) und Kakeway baut euch diesen in ein boot-fähiges Installtionsmedium um. Das sollte auch funktionieren, wenn keines der aufgeführten Boards eures ist. Was man noch benötigt ist das OS X Image, was ihr aus dem Appstore laden könnt, oder sonst irgendwo im Internet findet.
Aus Faulheit kopiere ich die Installtionsanleitung mal aus dem Hackintosh-Forum.
Schritt 1 — Einen Lion USB Stick erstellen:
1. Ladet Lion aus dem Mac App Store.
2. Startet die Kakewalk.app
3. Wählt “Install from USB“
4. Wählt “Auswählen” und sucht eure Lion.app (es könnte auch ein DMG image sein)
5. Versichert euch, dass ihr die richtige Disk für die Installation ausgewählt habt.
6. Drückt “Create”, wenn ihr fertig seid. Dies wird Lion auf euren USB Stick installieren. Es ist ein langwieriger Prozess und wird ca. 20 min. dauern.Schritt 2 — Die Installation von Kakewalk auf den USB stick
1. Wenn die Installation beendet ist, drückt den “OK” Button.
2. Wählt euren euren USB Stick aus.
3. Wählt euer Mainboard.
4. Drückt “Start”, um mit der Installation zu beginnen. Dies sollte einige Minauten dauern. Wenn es fertig ist, weft den USB Stick aus.Step 3 — BIOS Einstellungen
1. Legt den Stick in den PC ein, auf dem ihr Lion installieren wollt.
2. Geht ins BIOS zu Advanced Features
3. Ändert die Bootreihenfolge, sodass zuerst vom Stick gebootet wird, danach von der HDD
4. Geht ein Menü zurpück (ESC), geht zu Integrated peripherals
5. WICHTIG: Stellt “SATA RAID/AHCI Mode” auf “AHCI” Falls das nicht geht, schaut in eurem Handbuch nach AHCI.
6. Geht ein Menü zurück (ESC), geht ins Power Management
7. Stellt ACPI Suspend Type auf S3(STR) 8. Stellt HPET Mode auf 64-bit mode
9. Save and Exit, by pressing F10Step 4 — Die Installation von Lion
Euer System sollte jetzt vom Stick booten. Der Bootloader begrüßt euch und wird nach 5 sek. den Lion Installer starten.
1. Wenn der Installer gestartet hat, geht auf Utilities und dann Disk Utility.
2. Wählt auf der linken Seite die HDD aus, auf der ihr installieren möchtet.
3. Wählt partitionieren, 1 Partition und unter Optionen GUID als Partionsschema
4. Vergebt einen Namen für die Partition.
5. Nach dem Partitionieren verlasst das Disk Utility.
6. Nun fahrt mit der Installation fort und wählt eure Zielpartition aus.
7. Wenn der Installer fertig ist, startet den Computer neu.Schritt 5 — Kakewalk auf eure neue Lion Installation installieren
Bootet vom USB Stick und wählt eure Lion Partition aus.
1. Wenn es durchstartet tut Folgendes:
2. Doppelklickt auf den USB Stick und dann auf Kakewalk.
3. Drückt “Install to computer” und wählt euer Motherboard aus.
4. Versichert euch die Partition zu wählen, auf die ihr Lion installiert habt.
5. Drückt auf “Start installation”. Wenn es fertig ist, startet den Rechner neu und bootet von eurer neuen Installation!Step 6 — Einrichten der Grafikkarte
Aus Kompatiblitätsgründen benutzt Kakewalk einen default Modus, in dem ALLE Grafikkarten ein Bild bringen sollten. Um vollständige Beschleunigung und höhere Auflösungen zu erhalten befolgt die folgenden Schritte:
1. Geht ins /Extra Verzeichnis eurer neuen Lion Installation.
2. Öffnet die com.apple.Boot.plist mit TextEdit.
3. Sucht GraphicsEnabler Yes
4. Ändert den Wert Yes auf No und speichert.
5. Startet den Rechner neu.
Schritt 6 musste ich nicht ausführen. Lief so schon korrekt. Auch die WLAN-Karte wurde anstandslos sofort erkannt.
Das Update von 10.7. auf 10.7.3 war dann auch sehr einfach. Ich hab es über die Softwareaktualisierung geladen und installiert. Danach konnte ich wieder über den USB-Stick booten und führte Schritt 5 erneut aus. Nach einem Neustart war dann auch wieder Sound da.
Insgesamt bin ich ziemlich begeistert, da sofort alles lief und ich nicht meine Tage in irgendwelchen nerdigen Foren verbringen musste. Es ist heute also kein Problem mehr, mit entsprechender Hardware, sich seinen eigenen Mac zu bauen. Bevor ich es jetzt in den Kommentaren lese muss, JA es kann sein, dass die Software nicht sauber ist und ein Risiko darstellt und JA es kann sein, dass es mit dem nächsten Update nicht mehr so einfach läuft. Für ein rein privates Produktivsystem reicht mir das aber, da ich so arbeiten kann, wie ich das möchte, ohne mir einen iMac kaufen zu müssen, denn erst der wäre leistungsfähig genug. Also dann, viel Erfolg und lasst doch mal hören, ob es bei euch funktioniert hat.

Problematischer wird das ganze erst, wenn nur einige Komponenten passen und andere (bei mir die Grafikkarte) nicht passen…
Kann man ja passend machen. So teuer sind die ja nun auch nicht, dass man da nicht was findet. Wenn ihr Hardcore Gamer seid, oder sein wollt, dann lohnt der Aufwand eh nicht.
Wie passend. Erst vor wenigen Tagen hatte ich mich auch mit der ganzen Hackintosh Thematik auseinander gesetzt, mich ein wenig rein gelesen, Video-Tutorials angeguckt; recherchiert, ob mein PC dafür geeignet wäre. Aber nach kurzer Zeit schon stellte sich das Gefühl ein, das alles sei eh nur Zeitverschwendung, da das Aufwand-Nutzen-Verhältnis einfach nicht stimmt und man nach ewiger Bastelei ein Kompromiss-Betriebssystem hat, das mehr schlecht als recht funktioniert.
Wenn ich jetzt sehe, dass es andere Leute im Kreativbereich auch durchaus ernsthaft nutzen und es sogar sehr gut funktioniert, ermutigt mich das wieder ein großes Stück.
Trotzdem, das Misstrauen bleibt. Kannst du vielleicht noch ein wenig mehr auf die Nachteile eingehen? Läuft das System überhaupt stabil?
Was ich mich auch frage: kann man es als 64-bit Version installieren? Ein essentieller Punkt wenn man bedenkt, dass mit Lightroom 4 der Support für 32-bit aufgegeben wird.
Wie sieht es mit neueren Windows-Mainboards mit UEFI Chip aus? Ist es dort überhaupt noch möglich, ein anderes Betriebssystem neben Windows zu installieren? (siehe dazu das große Geschrei aus dem Linux-Lager, das genau damit ein Problem hat)
Ich werde das ganze vorerst mal in sicherer Umgebung auf einer virtuellen Maschine testen. Mein produktives System ganz in einen Mac zu konvertieren wage ich noch nicht.
Läuft absolut stabil! OS X kann schon seit langer Zeit große Mengen RAM adressieren. Der Nachteil ist einfach, dass man sich mit einem ganz anderen Betriebssystem auf UNIX Basis auseinandersetzen muss. Die Funktionsweise, also wie Rechte vergeben werden, wie Anwendungen im System installiert werden, wie Treiber eingebunden werden, sehe ich selbst aber als Vorteil. Nachteil sind einfach Updates und man ist bei Hardware Upgrades etwas eingeschränkt. Je nach Grafikkarte, oder Chipsatz für den Sound muss man auf funktionen Verzichten, wie optische Interfaces oder einen zweiten Monitor ansteuern zu können. Das sind dann aber auch keine idealen Voraussetzungen. Es läuft eben nicht auf jedem System, aber auf vielen! Es ist bis auf das EFI (BIOS Ersatz) möglich einen Mac selbst zu bauen und das EFI kann man emulieren. Ich hab damit lange produktiv gearbeitet.
hey super eintrag! danke. ich hab mich auch mal ein wenig eingelesen, mir wurde es dann aber zuviel und bin auf ein mbp umgestiegen. 2012 soll aber ein powerrechner her und damit vllt auch ein hackintosh… bei einem mac pro finde ich den preis nicht gerechtfertigt.
Sehr interessante Nummer, vielen Dank f. den Artikel. Macht Hoffnung, dass sich das Hackintosh-Thema im Ganzen in diese Richtung entwickelt — ich liebäugel auf mehreren Ebenen, dem Apple Diktakt zu entkommen, aber soweit möglich ohne auf Aperture und FCPX verzichten zu müssen. Außerdem heißt ja ‘think different’ so langsam schon, PCs zu kaufen
Muss ich demnächst nur herausfinden, wie OSX und Netbooks einhergehen..
Beobachte das Thema schon seit vielen Jahren und bin erfreut, dass es mittlerweile so einfach geworden ist.
Sollte Apple tatsächlich keinen aktualisierten Mac Pro mehr auf den Markt bringen, wird das Thema noch einmal ernsthaft interessant für mich und einige meiner Klienten.