Kaufberatung
Es ist ein Luxusproblem für viele. Geiz ist geil und man will viel für wenig Geld. Was man wirklich braucht und was nicht, ist dabei oft egal, denn man will ja für alle Situationen immer das richtige haben. Wovon ich rede, sind die Vorüberlegungen zum Kauf einer Kamera. Es soll eine DSLR sein! Sie soll aber nicht zu groß und schwer sein, dabei aber gut in der Hand liegen. Ein Objektiv dazu soll reichen, aber auch gleich alles können. Wie das kosten dann noch mal extra Geld? Es kommt mir immer wieder unter, dass ich das Gefühl habe, die Menschen wollen einfach nur irgendwas kaufen, was ihnen das Gefühl gibt, sie hätten genau das Richtige für wenig Geld erstanden. Fotos wollen sie gar nicht machen, oder anders gesagt, sie könnten die Fotos die sie machen, auch mit einer ganz anderen Ausrüstung schießen. Gehen wir mal ein paar Jahre zurück. Kameras waren noch keine ‘Restlichtverstärker’ und digitale Fotografie gerade mal erschwinglich geworden. Verglichen mit der heuten Technologie war viel weniger möglich, aber waren so die Bilder auch schlechter? Gehen wir noch einige Jahre zurück. Farbfilm war noch teuer und man fotografierte viel Schwarzweiß. Einige der wichtigsten Fotografie des 20. Jahrhunderts stammen aus dieser Zeit. Bilder, die die Macht hatten, die Welt zu verändern. Führt man sich vor Augen, mit was die Leute in Vietnam waren, würde man sich heute vermutlich wundern, dass sie überhaupt mit diesen Bilder nachhause gekommen sind.
Die Kamera ist nur ein Tool. Sie gibt einen Rahmen von Möglichkeiten vor, der heute schon bei einer Einsteigerausrüstung enorm ist. Innerhalb dieses Rahmens gibt es so viele Möglichkeiten Bilder zu machen, die gefallen werden. Will man etwas ganz bestimmtes, muss man das richtige Werkzeug besitzen. Ginge es mir um jedes mögliche Bild, weil ich Reportagefotograf wäre, würde ich immer neuste Technik einsetzen, weil ich dazu gezwungen wäre. Als Hobbyfotograf ist das aber alles egal. Niemand zwingt euch dazu ganz bestimmte Bilder zu machen und dafür Unsummen auszugeben. Ich behaupte einfach, ihr braucht es nicht. Wollt ihr gute Bilder und wollt ihr Qualität, müsst ihr Fotografie sowohl in der Physik, als auch als Kreationsmedium begriffen haben. Man muss den Rahmen der Möglichkeiten kennen und aus diesen klug wählen können.
Tim Navis hatte bis vor kurzem noch eine 30D als Arbeitstier und laut seinem Blog erst vor wenigen Tagen auf eine 5D MKII gewechselt. Er kam lange mit den 8MP aus und merkliches Bildrauschen ab ISO400 hat ihn auch nicht davon abgehalten, die Bilder zu machen, die wir nun bewundern. James Nachtwey hatte eine EOS 3 (oder 5?) und fütterte diese mit Kodak Tri-X400. Ihr denkt, ihr braucht unbedingt eine 7D, 5D MKII oder 60D? Warum? Was habt ihr vor? Wollt ihr fotografieren oder nur eure Kaufgelüste beruhigen?
Um euch nun nicht ganz alleine zu lassen, verwirrter als vorher, wenigstens noch ein paar kleine Tipps.
Schnappschussset:
Olympus Pen E-P1 - 377€
Klein, leicht und günstig. Ideal wenn es um gute Schnappschüsse geht oder man nur was ganz kleines mitnehmen kann. Sie ist auch sehr günstig und wird sicherlich noch etwas günstiger werden, da es schon ein teureres Nachfolgermodel gibt. Ich behaupte 80% der Bilder, die ein Anfänger machen will, gehen damit ohne Probleme. Canon G10-12 und ähnliche Modelle andere Hersteller sind auch einen Blick wert.
Hobbyfotografie:
Canon 500D, 18.55mm IS, 50mm F1.8 — ca. 640€
Porträts und Landschaftsaufnahmen gehen hier mit sehr gut. Filmen kann auch auch in 720P bei 30FPS. Völlig ausreichend, wenn man digitale Fotografie erlernen möchte und noch gar kein klares Ziel hat. Alternativ reicht auch eine gebrauchte 40D, wenn man die Filmfunktion nicht benötigt. Gebraucht zu kaufen, ist ohnehin ein Spartipp. Oftmals wurden die Kameras kaum benutzt und sind neuwertig. Nur Profimodelle zeigen oft Abnutzungserscheinungen und nähern sich dem Ende ihres Kameralebens. Sie wurden immerhin ihrem Zweck entsprechend genutzt.
Mit beiden Lösungen steht ihr technisch schon über der 30D und seid flexibler als Nachtwey mit seinem Tri-X400. Ich könnte also behaupten, ihr habt zumindest die Möglichkeit, ebenso gute Bilder zu machen. Eine 7D, 5D MKII oder eine Leica helfen euch dabei auch nicht besser. Sie geben euch nur einen anderen Rahmen, in dem ihr euch bewegen könnt.
Blende, Verschlusszeit, Brennweite und Sensor/Negativgröße sollte man erstmal verstanden haben. Damit umgehen zu können verspricht mehr Erfolg, als einige Tausend € auszugeben.

Sehr wahre Worte!
Jede Einsteigerkamera war vor in paar Jahren noch Profimodell. Und die meisten aktuellen professionellen Modelle werden in wenigen Jahren zu Einsteigermodellen degradiert.
Man kauft sich bei einer Kamera keine fotografischen Fähigkeiten sondern eben nur ein Gerät.
Wenn ich mir ein Japanische-Wörterbuch kaufe spreche ich auch nicht automatisch Japanisch.
Jupp! Da bin ich genau deiner Meinung.
[…] durch diesen Artikel von André Duhme (dank Foto-Radar entdeckt) wollte ich mal ein paar Gedanken zur Fotografie […]