Wuppertal

Ich möchte Wuppertal gerne verlassen, denn hier hält mich nichts, selbst die günstigen Mieten nicht mehr. Neulich las ich einen Artikel in der Wuppertaler Rundschau, der so sinnbildlich für diese Stadt und den Ablauf der Dinge hier stehen könnte. Hier ein kleiner Auszug:

Eigentlich schien die Sache mit den Weihnachtsmärkten auf einem guten Weg. Im Februar hatte der Rat die Gründung einer städtischen Markt GmbH beschlossen, um die Märkte selbst zu organisieren. Jetzt steht sie ohne Geschäftsführer da und ist handlungsunfähig.

Natürlich passieren hier auch positive Dinge, doch am Ende bleibt bei mir immer dieser Eindruck hängen, dass hier jede Energie, jeder Fortschritt, alles gebremst wird.

Nun, bis ich umgezogen bin, könnte man zumindest dokumentieren. Die Stadt und ihre Menschen zeigen und auch wenn es nicht New York ist, gibt es hier genug Motive für ein kleines Buch. Ein Buch, was es der Rechtslage wegen, niemals geben kann. Nicht über Wuppertal, nicht über das Ruhrgebiet, nicht über Düsseldorf, aber auch nicht über jede andere Stadt in Deutschland. Ich möchte hier nicht über das Recht am eigenen Bild diskutieren. Das ist nun mal so und wir müssen es akzeptieren. Es wäre für mich nur etwas, dass ich tatsächlich mit dieser Stadt anfangen könnte. Ein Buch über sie machen.

Essen

10 Kommentare

  1. Die Bilder finde ich jetzt auch nicht so dolle, als dass ich da ein Buch vermissen würde, ehrlich gesagt.
    Sie könnten außerdem in jeder deutschen mittelgroßen Stadt aufgenommen worden sein und haben nichts Besonderes.
    Die Beschreibung über den Stillstand in der Stadt, verstehe ich allerdings.
    Ich bin trotzdem immer wieder gerne dort und besuche Freunde und mag den Altbaubestand und die Lage.Ausserdem gibt es dieses wunderbare Stück von Else Laske Schüler „Die Wupper“….Da gibt es trostlosere Städte, finde ich.

  2. Michael,

    natürlich müsste man da Monate, vielleicht Jahre fotografieren und nicht nur 30 Minuten spazieren gehen. Natürlich bräuchte das ein Konzept und viel Arbeit. Ich hielt es nicht für notwendig, diesen Umstand zu beschreiben.

    Wuppertal ist ein Drecksloch, nicht so sehr wie Hagen, aber schon ziemlich am Ende. Man kann sich natürlich die wenigen guten Seiten raus picken, wie du es machst. Wenn man zu Besuch ist, geht das, wenn du hier lebst, nicht.

  3. Hallo André,
    du schreibst: „Ich möchte hier nicht über das Recht am eigenen Bild diskutieren.“ Meine Frage: Auch nicht über das Recht des Urhebers? Wenn du akzeptierst, dass jede*r deine Fotos frei nutzen kann, ist deine Aussage ok.
    Aber ich habe ein Problem mit deinen Fotos: Fotograf*innen sollten Respekt vor den Menschen haben, den vermisse ich ich mehreren deiner Fotos.

  4. Volker, Urheber bin in dem Fall erstmal ich. Wenn jemand die Bilder nutzen möchte, kann ich ihm das nicht gestatten, weil auch eher dann gegen das Persönlichkeitsrecht verstoßen würde. Daran würde eine CC Lizenz nichts ändern. Vielleicht meinst du das aber so, dass mancher der gezeigten, ein Bild für sich gerne haben wollen würde. Wenn ich mit den Menschen in Kontakt gerate, unmittelbar oder später, dann frage ich sie immer, wie ich ihnen das Bild zukommen lassen kann. Ich freue mich dann auch, wenn sie nicht nur die Datei möchten, sondern ich ihnen einen schönen Druck anfertigen lassen kann.

    Das ich respektlos bin, trifft mich hart, weil ich mich so sehr bemühe, genau das nicht zu sein. Skurrilere Charakter finde ich zwar interessant, aber ich versuche niemanden vorzuführen, oder mich über ihn lustig zu machen. Menschen in schwierigen Situationen fotografiere ich gar nicht. Soll es vielleicht auch. Könntest du da bitte konkreter werden. Welche Bilder meinst du und warum sind sie respektlos?

  5. André, du schreibst: „Wenn ich mit den Menschen in Kontakt gerate, unmittelbar oder später, …“. Nimmst du mit allen fotografierten Personen Kontakt auf? Fragst du jede Person, ob du das Foto verwenden darfst? Das wäre fair und respektvoll! Ich kann mir vorstellen, dass die Personen in den Fotos 2, 10, 13, 16, 18, 24, 31 (von oben) nicht sehr glücklich über „ihre“ Bilder sind. Hast du auch den Jungen (Foto 5) gefragt? Vielleicht haben seine Eltern ihm verboten, dieses Zeug zu essen – und jetzt wird es öffentlich ;-(

  6. Ich rede mit Menschen darüber, wenn ein Gespräch möglich ist. Manchmal ist es das und ich habe immer die Kunstform erklärt und nach anfänglicher Skepsis, ruft es eher Interesse hervor. Die Personen fühlen sich etwas geehrt, dass sie auch mal wichtig waren und das mit scheinbar banalen Handlungen.
    Nicht immer muss man Menschen besonders schmeichelnd und vorteilhaft abbilden, damit ihnen mit Respekt begegnet. Ich denke, Respekt verlangt auch Ehrlichkeit und ehrlich bin ich, aufrichtig ebenso und verletzend, niemals. Das ethische Dilemma der Street Photography wurde hinreichend erörtert. Da haben wir beide nicht mehr viel beizutragen. Wirf mir aber keine Respektlosigkeit vor, wenn ich mich in jedes Bild hineindenke, Kontakt suche, wo er möglich ist und jeden Menschen achte. Du solltest sehen, wie ich arbeite, wie ich mit Menschen umgehe und wer ich bin, bevor du dieses Urteil fällst. Alles andere wäre ebenso respektlos.

  7. Einfach traurig wie die Menschen hier in Deutschland immer abgehen wenn das Thema Streetfotografie diskutiert wird. Traurig, traurig, traurig….

    Lass Dich bitte davon nicht bremsen André!

  8. Stefan Ref

    Aber was genau ist denn nun der Inhalt des Motives z.B. – *R000241.jpg ?
    Ich erkenne nur eine ungünstig abgelichtete Gesprächssituation, in der die Dame im zentrum des Geschehens nichteinmal die Augen offen hat.

    Es ist doch lächerlich in jedem Bild immer eine besondere Situation gesehen haben zu wollen, wo doch im Endeffekt nur Personen ihres Weges gehen und teilweise unmöglich ausschauen.
    Sollen wir die Technik bewundern, das Licht, die Komposition??

    Und Recht hin oder Her – über viele der gezeigten Motive würde ich mich als abgelichtete Person sehr ärgern, sei es aus persönlicher Eitelkeit oder eben weil ich nicht gefragt wurde ob ich fotografiert werden möchte.

    Sicherlich kann niemand immer inkognito auf offener Straße unterwegs sein aber das forcierte Fotografieren aus der Hüfte verursacht einfach ein moralisches Dilemma, das Selbe wie unerkannt angebrachte Überwachungskameras im öffentliche Raum wohlmöglich. (Obwohl dieser Vergleich etwas hinkt)

  9. Stefan Ref

    * gr_R000233.jpg verstehe ich wohlmöglich noch – eine Dame die wirkt als würde sie von einem bärtigen Mann verfolgt werden, der im Halbschatten des Geschehens irgendwie schmutziger aussieht als er in Real vielleicht ist.
    Würde ich das gut finden? Weis nich, seinen Bart hat er sich ja ausgesucht.

    Das Bild darüber – lachendes Tui und grimmiger Mann, ja. So ist in vielen Bildern vielleicht das Gwisse etwas enthalten, in vielen aber nicht.

    Eigentlich sollte Kunst ja keine Erläuterung benötigen, vielleicht ist das Web auf das falsche Medium (weil man sich zu wenig mit dem Content auseinandersetzt oder zu wenig Zeit investiert) …

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