Konzert– fotografie 2
Wie angedeutet, versuche ich ein paar immer wiederkehrende Fragen zu klären und mit meinen Erfahrungen zu mixen. Heute werde ich den technischen Aspekt beleuchten. Mein erstes Konzert war in einem kleinem Club in Bielefeld. Dort sah ich zum ersten mal The Guns, die ich nur empfehlen kann. Friska Viljor und Stompin Souls spielten auch und insgesamt wurde mein Musikgeschmack vollständig abgedeckt. Optimale Voraussetzungen für das erste Mal, denkt man da vielleicht. Ich habe mich vorher genau belesen. So fand ich raus, dass rotes Bühnenlicht gerne mal den Autofokus stört und meine damalige Ausrüstung alles andere als über jeden Zweifel erhaben ist. Gerade mal 2 Objektive besaß ich und hatte meine 400d erst 2 Monate. Es war mehr ein probieren, denn als wissen, was ich da tue. Ich stellte die Kamera auf AV und ISO 1600 und ging mit dem 50mm F1.8 ins Rennen. Der Club war klein und von vorne kam kaum Licht. Die Exif-Daten sagen mir heute, dass ich die hohe ISO gar nicht gebraucht hätte. 1/4000, 1⁄1000 usw. lese ich da. Schuld war der AV-Modus. Die 400d besitzt keine Spotmessung und die anderen Belichtungsmessungsmodi versuchten ständig die Scheinwerfer im Rücken der Künstler richtig zu belichten. Ich traute mich gar nicht auf M zu schalten, denn ich könnte ja ein wichtiges Bild verpassen und so machte ich weiter. Das 50mm-Objektiv wurde bald gegen das 17-50mm Tamron getauscht. Bei beiden ist der Fokus eher langsam, aber beim Tamron lag er wenigstens nicht ständig daneben. Das Canon Objektiv konnte sich bei diesen Lichtverhältnissen irgendwie nicht entscheiden, wohin es fokussieren sollte. Zu lang war es mir irgendwie auch. Ich füllte 2 Speicherkarten und brauchte einen ganzen Tag, um alles auszuwerten und öfter mal zu fluchen. Ich überließ viele Entscheidungen der Technik. So hatte ich unterbelichtete Bild, mit hoher ISO aufgenommen, was in einem fürchterlichem Bildrauschen nach der RAW-Korrektur endete. Es waren auch deutlich zu viele Bilder. Das nächste Mal müsste ich viel überlegter an die Sache heran gehen.
Das nächste große Konzert war dann auch gleich ein kleines Festival. Das Wetter war fürchterlich schlecht und nur das Tamron besaß eine Gegenlichtblende. Einen Regenschutz hatte ich auch nicht und ging ein echtes Wagnis ein. 400d, Tamron, 50mm und 85mm im Regen. Die Optiken konnten das Wasser gut ab und ich musste sie oft sauber wüschen. Die Kamera allerdings lief etwas mit Wasser zu, funktionierte allerdings weiter anstandslos. Es war erstaunlich und sicherlich unglaubliches Glück. Ich versuchte sie etwas mit ein Plastiktüte zu schützen. Das 85mm bekam eine Becher als Schutz. Das funktionierte erstmal gut, aber ist keinesfalls eine praktische Lösung. Das AV-Problem kannte ich ja nun und versuchte es im M-Modus. Leider kam von vorn wieder kaum Licht und es ging wieder an ISO-Grenzen.
Das gleiche Festival besuchte ich im letzten Jahr wieder. Diesmal mit einer 40d und der 400d als 2. Body. Der Plan war mit 2 sehr geeigneten Brennweiten gleichzeitig arbeiten zu können. Ich hatte mir noch das 30mm Sigma F1.4 gekauft und mit dem 85mm Objektiv nun 2 schnelle und lichtstarke Optiken dabei. Es war sehr angenehm, je nach Situation nicht im Dunkeln die Optiken wechseln zu müssen. Allerdings arbeitete die 40d wesentlich besser. Rauschverhalten und Fokus liefen einfach wesentlich besser. Optimal war aber immer noch nicht alles. ISO 1600 sind oft der Stand der Dinge und etwas abblenden geht dann oft auch nicht mehr.

Zusammenfassen kann man sagen, dass 2 Kameras nützlich sind, aber nicht unbedingt notwendig, wenn es nicht um jedes Bild geht. Ein leichter Zoom und eine Standartbrennweite, also um die 50mm am KB sind Pflicht und ein Weitwinkel von Vorteil. Im Zweifelsfall ist das Licht immer schlechter, als man es vorher in Erfahrung bringen konnte und ISO 1600 sollte die Kamera schon noch mit brauchbaren Ergebnissen liefern können. M ist besser als AV. Die Lichtsituationen wechseln oftmals nicht so drastisch. Nach 2 – 3 Testbildern hat man die richtige Belichtungszeiten gefunden und kann bewusster arbeiten. Wetter kann aber auch dein Feind sein. Man kann seiner Ausrüstung zwar wesentlich mehr zumuten, als der Hersteller verspricht, aber es besteht immer ein Risiko. Ein Regenschutz lohnt sich an sich nur für Menschen, die damit auch Geld verdienen. Wenn es nicht um jedes Bild geht, kann man auch einfach mal darauf verzichten und lieber die Musik genießen. Wenn ihr die Möglichkeit habt, auf Augenhöhe mit den Künstlern zu kommen, ist diese vorzuziehen. Menschen sehen von unten nicht immer gut aus. Überlegt und beobachtet die Situation. Ihr macht das Bild und nicht die Kamera. Passt euch an und arbeitet euren Möglichkeiten entsprechend. Eine verpasste Situation kommt manchmal wieder und die Serienaufnahme rettet dabei oft auch niemanden wirklich.


hey,
ich war vor kurzem auch auf einem Festival als Fotograph unterwegs. Dabei hatte ich arge Probleme mit dem Fokus und dem Licht im Hintergrund, wie du es beschrieben hast.
Schön wenn nicht nur mir die Probleme beim ersten mal auftreten.
grüße Nikolas
[…] Magdeburg. Dort erwartet mich ein, mehr oder weniger geplantes Shooting. Freitag treibt es mich zum Bootboohook Festival. Darauf freue ich mich auch schon sehr. Ich wollte zwar etwas mehr im Vorfeld zu schreiben, aber es […]