Tim Bruns
Tim studiert an meiner Hochschule auch Medieninformatik und er ist mir lange Zeit gar nicht aufgefallen. Unsere Freundeskreise schnitten sich erst vor ein paar Monaten und mein erster Kontakt mit ihm sorgte gleich dafür, dass ich ziemlich beeindruckt von seinen Arbeiten war. Jeder der wollte, konnte bei einem Kulturevent der Hochschule seine Fotos ausstellen und seine Aufnahmen stachen deutlich heraus. Er brachte eine schöne Serie aus Afrika mit. Ich nahm mir an dem Abend schon vor, ihn um ein Interview zu bitten und seine Arbeiten hier etwas zu promoten. Nun, ein gutes Stück Zeit später habe ich Tim gefragt und er hat mir Rede und Antwort gestanden. Lest selbst und schaut euch mal Tims neues Portfolio an. Ich denke, von ihm wird man in Zukunft noch einige gute Sachen zu sehen bekommen.
Was ist dein Schaffen?
Momentan studiere ich Medieninformatik in Wernigerode, versuche aber möglichst viel Zeit in die Fotografie zu investieren. Angefangen hat das Ganze als kleines Hobby, als Nebenbeschäftigung beim Reisen. Meine erste Spiegelreflexkamera habe ich mir vor vier Jahren gekauft, danach war ich 9 Monate in Neuseeland und irgendwie schien es logisch, das was ich sehe auch festzuhalten. Natürlich kommt dann auch irgendwann der Punkt, an dem man sich fragt wie man das denn am besten macht, wie man sich weiterentwickeln könnte und eigene Stimmungen und Gefühle entsprechend zu transportieren. Heute liegt mein Fokus auf Reportage– und Portraitfotografie.
Was wirst du tun?
Schwierige Frage. Man kann nicht sagen, dass ich konkrete Pläne für die Zukunft hätte. Auf jeden Fall leben. Es geschieht relativ schnell, dass ich mich an einem Ort eingeengt fühle, die künstliche Medienwelt unbedingt verlassen und das echte Leben spüren will. Daher ist das Reisen für mich auch sehr wichtig. Ich lerne reale Menschen kennen, die vor mir stehen, ihre Geschichten, ihren Lebensweg und komme in Situationen, die ich im voraus nicht planen kann und die mein Leben definieren. Die Fotografie ist für mich eine Möglichkeit diese Momente zu konservieren, zu teilen und eigene Gefühle und Lebenssichten zu vermitteln.
Warum tust du das?
Weil ich mir nicht vorstellen kann etwas anderes zu tun und damit zufrieden zu sein. Ich denke wirklich, dass das Leben im Großen und Ganzen gut und spannend ist und das ich es ausnutzen will. Das heißt für mich intensiv sehen und auch intensiv fühlen und Menschen kennenlernen, die ähnlich oder auch ganz anders denken. Das Fotografieren (und Schreiben) hilft mir dabei Situationen eindringlicher zu erleben.
Wie hast du dich gestern gesehen?
Kritischer als heute. Das Schöne ist, dass jeder Tag in gewisser Weise auch Fortschritt bedeutet. Es gibt kaum eine Woche in der ich nichts Neues über mich lerne oder mich in irgendeiner Form weiterentwickele. Seitdem ich fotografiere ist dieser Prozess für mich noch deutlicher spürbar auch durch den Kontakt mit unterschiedlichen Menschen, von denen man viel lernen kann, wenn man dafür offen ist. Das hat mir auch geholfen mich selbst als den anzunehmen, der ich bin.
Was beeinflusst dein Tun?
So gut wie alles, was ich täglich erlebe. Sicherlich hat Musik einen großen Einfluss, schon weil es eine Kunstform ist, die unglaublich viele Emotionen hervorrufen kann. Auch Filme, Bilder, Bücher. Das Reisen natürlich und das damit verbundene Treibenlassen. Ideen entstehen bei mir oft, wenn ich unterwegs bin, fahre oder gehe und dabei kein bestimmtes Ziel habe.
Warum machst du nicht etwas anderes?
Es ist ja nicht so, dass ich mich hingesetzt habe und dachte: Was kann ich eigentlich machen? Es hat sich einfach entwickelt und ich fühle mich gut dabei. Auf diese Weise lässt sich alles verbinden, was ich gerne tue und was mein Leben ausmacht. Außerdem kann ich mich selbst ausdrücken und das vermitteln, was ich empfinde ohne dass es vom Betrachter genauso gesehen werden muss. Die Grenzen sind offener, als wenn ich sage: Das fühle ich.
Wann beginnt für dich Scheitern?
Ich glaube nicht, dass es so etwas wie Scheitern wirklich gibt. Jede Erfahrung die ich bisher gemacht habe, hat auch etwas in mir bewirkt und mich weiter gebracht. Ohne das was ich bisher erlebt habe, wäre ich jemand anders und somit nicht die Person, die ich heute bin.
Wo bist du gescheitert?
Es gab für mich bisher einige schwierige Situationen im Leben. Gerade wo ich aus Neuseeland wiederkam hatte ich eine Phase, die mir aus verschiedenen Gründen sehr zu schaffen gemacht hat. Aus heutiger Sicht kann ich jedoch sagen, dass sie dennoch sehr wertvoll für mich war und meine ganze Einstellung zum Leben sehr geprägt hat.
Wer bist du danach geworden?
Zu einem großen Teil der, der ich heute bin. Ich habe gelernt das Leben nicht zu ernst zu nehmen. Das gleiche gilt auch für mich selbst. Ich denke eine der wichtigsten Eigenschaften und Fähigkeiten ist Selbstironie gegenüber der eigenen Person und dem eigenen Schaffen. Sicherlich möchte ich, dass meine Arbeit ernst genommen wird aber eine Vielzahl von Problemen entsteht, wenn Menschen nicht mehr über sich selbst lachen können. Vielleicht kann ich dann doch sagen, Scheitern beginnt für mich wo Selbstironie aufhört.
Welche Rolle spielt dein Studium bei all dem?
Das Studium hat mich dazu angeregt mich intensiver mit der Fotografie auseinanderzusetzen. Zudem hat es die Grundlagen geschaffen auf denen ich heute aufbauen kann. In gewisser Weise habe ich das Handwerk gelernt mit dem ich nun meine Ideen umsetzen kann.
Welche Hürde siehst du in deiner Zukunft?
Konstanz und Stetigkeit. Ich kann nicht sagen, dass mir beide Dinge zur Zeit besonders wichtig erscheinen. Aber ich denke, dass ich etwas daran arbeiten muss. In der Vergangenheit ging es mir oft so, dass ich von einer Reise wiederkam und es zwei Wochen später kaum aushielt an einen Ort gebunden zu sein. Natürlich nicht die besten Voraussetzungen wenn man zumindest zeitweise an einem größeren Projekt arbeiten will.
Wenn du sie überwindest, bist du…?
Zufrieden einen Mittelweg gefunden zu haben aus Gehen und Bleiben.
Gibt es eine Idee, die du dich nie getraut hast, umzusetzen?
Es gibt einige Ideen, die ich gerne umsetzen würde, allerdings hat es bis jetzt meist nicht am Mut sondern an der Zeit gemangelt. Zum Beispiel fände ich es spannend einen fotografischen Querschnitt meines Heimatortes zu zeigen und Vertreter der verschiedenen Gesellschaftsschichten zu porträtieren.
Nenne noch 3 Songs, die deine Person am ehesten zusammenfassen.
Moriarty – Cottonflower
Der Bandname und eigentlich die gesamte Musik sind eine Hommage an den großartigen Jeck Kerouac. Ich habe selten eine Band gehört, die das was man beim Reisen empfinden kann, mit ihrer Musik so ausdrücken.
Julian Plenti – Games For Days
Zum Abschluss noch zwei Lieder aus den japanischen Filmen Blue Spring und Love Exposure. Sollte man beide auf jeden Fall gesehen haben.
Thee Michelle Gun Elephant — Akage No Kelly
Yura Yura Teikoko – Kudo Desu
Danke, dass du gefragt hast, war für mich auch ganz spannend mal intensiv über die Fragen nachzudenken!


Hallo, ich habe Deinen Artikel auf facebook verlinkt http://www.facebook.com/#!/profile.php?id=100003126226203 . Falls Du damit nicht einverstanden sein solltest– bitte ich um eine kurze Info. Dann lösche ich es.
Gruß Thomas