Classic K14 Interview: Tobias Löhr

Tobias, deine Aufnahmen von deiner „Abenteuer Vietnam“ Reise,  haben mir sofort bewiesen, dass das Preset sehr nah an dem ist, was ich generieren wollte, nämlich Kodak Kodachrome. Wenn ich an Bilder von McCurry denke und deine daneben halte, sehe ich, dass der digitale Kompromiss sehr gelungen ist. Mich interessiert da brennend deine Meinung. Hast du das Preset deswegen ausgewählt?

Das ist sogar ziemlich genau der Grund warum ich das Preset ausgewählt habe. Wenn ich an Reise- und Dokumentarfotos aus aller Welt denke, habe ich immer die Bilder von Steve McCurry vor Augen. Ich habe mit Begeisterung die Dokumentation über die letzte Rolle Kodachrome gesehen, welche von McCurry belichtet worden ist. Der Look von Kodachrome hat sich richtig in mein Hirn gebrannt und ich habe immer nach einen Preset gesucht, dass dem Original nahe kommt. Ich habe jetzt jahrelang meine Bilder mit Presets von VSCO bearbeitet. Damit war ich im Grunde genommen auch zufrieden, muss aber sagen, dass mir im Hinterkopf doch immer was gefehlt hat. Umso erfreuter war ich, als ich zwei Wochen vor Abflug nach Vietnam dein Preset entdeckt habe. Erstmals habe ich es dann richtig in Vietnam verwendet und mich tierisch gefreut, endlich den Look gefunden zu haben, den ich jahrelang gesucht habe. Seit dem habe ich kein anderes Farbpreset mehr verwendet. Ich habe sogar Bilder von vergangen Reisen mit dem Preset neu bearbeitet. Die ersten beiden Hochzeiten, die ich dieses Jahr fotografiert habe, kamen ebenfalls in den Genuss dieses Presets.

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Ich habe die Reise ja, vor allem wegen dir, verfolgt und würde mich freuen, wenn du sie kurz zusammenfasst. Warum wart ihr in Vietnam und was hast du an Eindrücken mitgenommen. Gibt es etwas, dass du gelernt hast, fotografisch, oder menschlich?

Wir waren zwei Wochen im Norden Vietnams unterwegs. Die Reise führte uns startend von Hanoi aus an die laotische Grenze, durch die Berge Vietnams, durch die Halong Bay und wieder zurück nach Hanoi. Meine eigentliche Intention für die Reise war es einfach mal zwei Wochen mit Gleichgesinnten meinem Hobby nachgehen zu können. Und da ich immer gerne nach Asien fahre, bot sich die Reise von Steffen Böttcher natürlich an. Im Nachhinein habe ich neben neuen Freunden – die „Reisegruppe“ hat sich zu einer richtigen kleinen Familie entwickelt – vor Allem ein paar Denkanstöße mitgenommen. Ein großer Teil der Reise bestand aus Workshops zum Thema Persönlichkeitsentwicklung und Wahrnehmung. Steffen, der schon das eine oder andere in seinem Leben mitgemacht hat, hat von seinen Erfahrungen gesprochen und seinen Weg mit allem umzugehen aufgezeigt. Das ist natürlich nicht auf jeden übertragbar, aber jeder aus der Gruppe hat so sein „Päckchen“ auf die Waage gelegt und den einen oder anderen Tipp für sich mitgenommen. Fotografisch hatte ich für mich vorher schon einen Weg gefunden, der für mich funktioniert.
Was ich aus Vietnam mitnehme, ist die unglaubliche Freundlichkeit der Vietnamesen. Ich habe noch in keinem Land der Welt so eine Gastfreundlichkeit erlebt. Wenn man sich mal irgendwo auf der Welt zur Ruhe setzen will, kann ich mir gut vorstellen, dass in Vietnam zu tun. Der harte Cut wenn man zurück nach Deutschland kommt, trifft einen wie ein Vorschlaghammer und man überlegt sich öfters mal über was für einen Mist sich in Deutschland aufgeregt wird und warum man nicht einfach mal fünf gerade sein lässt und sein Leben genießt. Deutschland kann sich mal eine ganz dicke Scheibe von Vietnam abschneiden :-).

Wenn man auf einer solchen Reise fotografiert, wie sehr ist man da Tourist und wie sehr dokumentierender Fotograf. Ich denke ja, dass auch in einer Zeit, wo es mehr Bilder gibt, mehr fotografiert wird, als je zu vor, es immer noch wichtig ist, bewusst bestimmtes zu dokumentieren, Zeitzeuge zu sein.

Auch wenn man es nicht so bezeichnen möchte, ist man auch auf solch einer Reise zu allererst erstmal ein Tourist. Das fotografische Konzept von „Abenteuer Vietnam“ ist es, ein Thema zu finden und das dann fotografisch zwei Wochen zu verfolgen. Damit wird man fokussierter und löst die Grenze von einem „normalen“ Touristen und wird mehr zu einem dokumentierendem Fotografen. Vor Allem geht es aber bei „Abenteuer Vietnam“ darum Kontakte mit fremden Menschen zu knüpfen, sich auf diese einzulassen und dann deren Geschichten zu erzählen. Ich hatte mir das Thema „Nightlife“ ausgesucht und habe dieses auch verfolgt. Du hast ja unseren Blog verfolgt und vielleicht mitbekommen, dass wir einen kleinen Aufenthalt in einem Krankenhaus hatten. Dort habe ich die ganze Nacht durch Bilder gemacht und in diesem Fall ganz klar dokumentarisch gearbeitet. Das sind natürlich Ereignisse, die man als Pauschaltourist nicht erlebt. Auch wurden wir zu einer Hochzeit eingeladen als wir Mittags durch ein kleines Dorf gelaufen sind und haben stundenlang gefeiert. Das sind alles wunderbare Erinnerungen, die ich nicht mehr missen möchte und ich bin auch sehr froh, diese Erinnerungen mit der Kamera für immer konserviert zu haben.

Bilder leben immer von Storys und der Look kommt durch das Motiv. Farben und Licht spielt eine große Rolle. Hast du auf bestimmte Dinge geachtet, weil du genau wusstest, was du möchtest, oder erst hinterher am Rechner entschieden, dass das Classic K14 Preset die richtige Rezeptur ist?

Ich habe das Preset auf meine ersten Bilder angewandt und gleich gemerkt, dass es zu der Art passt, wie ich diese mache. Ich bin ein sehr intuitiver Fotograf und suche immer unbewusst nach Licht. Ich mag es wenn rot richtig knallt und dafür ist dein Preset natürlich perfekt. Ich habe zwar sehr viele Bilder gemacht, aber nicht in vielen Situationen („Shoot less more often“). Ich weiß was ich vorhabe und setze das dann für mich um. Das das Preset dann so gut zu den Bildern passt, hat mich natürlich super gefreut. Vielen Dank nochmal für die Arbeit, die Du dir damit gemacht hast.

Hast du einen Tipp, wie man einen Look analysiert, um dann ähnliche zu fotografieren und die richtige Bearbeitung zu finden?

Das muss jeder für sich machen. Jeder hat seine „Datenbank“ von Bildern im Kopf, die er oder sie gut findet. Wenn man sich in diese Richtung entwickeln möchte, sollte man sich einen Stapel Bildbände ins Haus holen und die Bilder studieren. Bei mir waren das z.B. Bildbände von Saul Leiter, Alex Webb, Steve McCurry, Martin Parr oder David Alen Harvey. Alles Fotografen, die hauptsächlich in Farbe fotografieren. Oftmals auch mit starken Rottönen. Dann kann man sich daheim an den Rechner setzen und schauen ob man das irgendwie adaptiert bekommt.

Wenn du nicht gerade in Vietnam bist, was fotografierst du sonst? Worin liegt deine Leidenschaft und wie bist du dahin gekommen?

Ich bin eigentlich als Hochzeitsfotograf unterwegs, was mir auch richtig Spaß macht. Mein Vater hat immer in unseren Familienurlauben fotografiert und alles in Alben abgeheftet. Ich selbst habe nie großes Interesse daran gehabt und habe bis zu dem Zeitpunkt als mein Vater 2010 plötzlich verstorben ist, nie selbst eine Kamera in der Hand gehabt. Danach habe ich für mich realisiert, dass das Leben jederzeit vorbei sein kann und das man das vielleicht festhalten sollte. So habe ich mir Ende 2010 meine erste Kamera in meinem Leben gekauft. Mit dem Schalter, den ich mir selbst im Kopf umgelegt habe, habe ich auch ein extremes Fernweh entwickelt und reise seit dem so oft wie es nur geht. Die Welt hat so viel zu bieten und ich will so viel wie möglich davon sehen. Hier kam natürlich auch wieder die Kamera ins Spiel. In dieses Thema habe ich mich im laufe der Zeit immer mehr reingefuchst und habe meine fotografischen Fähigkeiten verbessert. Natürlich habe ich mir auch das eine oder andere Upgrade gegönnt ;-). Aber darauf kommt es natürlich nicht an. Irgendwann kommt dann immer der Moment, wo man von Freunden gefragt wird, ob man nicht deren Hochzeit fotografieren möchte. Und da ich noch nie Angst davor hatte, den großen Tag zu „versauen“, habe ich gleich ein Gewerbe angemeldet und ziehe seitdem als gut gelaunter Hochzeitsfotograf durchs Land.

Was würde dich reizen noch zu fotografieren? Hast du da Ziele, oder Wünsche, auch wenn sie unrealistisch sind und wie gehst du die an?

Hochzeiten ist schon das was ich machen möchte. Ich möchte aber ein bisschen davon weg, gestellte Bilder zu machen. Am liebsten möchte ich rein dokumentarisch auf Hochzeiten unterwegs sein und alle Momente ungestellt festhalten. In England gibt es einige sehr gute dokumentarische Fotografen, die Bilder zeigen, die in Deutschland wohl nicht unter „schöne“ Hochzeitsbilder laufen würden. Da ist der englische Humor unserem um ein paar Jahre voraus. Aber ich hoffe noch :-).
Ich möchte in Zukunft auch gerne andere Themen dokumentarisch umsetzten. Hier habe ich mir aber, außer das ich das sehr gerne machen möchte, noch keine weiteren Gedanken gemacht in welche Richtung das für mich gehen soll. Aber da werde ich mir schon noch Klarheit verschaffen.
Die Reisefotografie ist natürlich auch noch großes Thema für mich. Das wäre schon ein kleiner Traum von mir, davon in irgendeiner Art und Weise leben zu können. Ich habe mir ja zumindest schon mal eine zweite Webseite eingerichtet, auf der ich ausschließlich Reisebilder zeige.

Als nächstes möchte ich CineStill 800T und 50D emulieren. Bei welchen Motiven würdest du diesen Look verwenden?

CineStill ist ja, glaube ich, ein Film der für Nachtfotografie unter Kunstlicht entwickelt worden ist. Ich denke in diesem Einsatzzweck könnte sich der Look ganz gut machen.

Anmerkung: CineStill spult Kodak Vision 3 5219 auf Kleinbild, oder Rollfilm um und macht ihn für Fotoapparate nutzbar, da der Film eigentlich für’s Bewegtbild gedacht ist. Es ist ein Tungsten-Film, der Weiß bei Kunstlicht richtig wiedergibt, aber mit einem Farbfilter, funktioniert das auch bei Tageslicht. Alle das möchte ich simulieren und eben diesen Look erhalten.  Hier ist ein kleiner Werbefilm von Kodak dazu.

Viele lieben Dank Tobias!

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Web: www.tobiasloehrfotografie.de und www.tobistraveltales.com

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