Wien

Man müsste mal nach Wien fahren und nichts anderes tun, als fotografieren, aber das hebe ich mir noch auf. Auch wenn ich jetzt ein paar mal dort war, lerne ich immer noch die Stadt kennen und fotografiere mehr so nebenbei, als mit wirklichem Plan. Vielleicht müsste man auch einfach in ein paar Jahren mal alle Bilder nebeneinander legen und so nach einem roten Faden suchen. Als ich das erste Mal Wien bereiste, war ich total verkopft und habe noch versucht, meine Werkzeuge zu begreifen. Wie so oft, wollte ich gleich alles und habe gar nicht gewusst, wo ich anfangen soll. Mittlerweile versuche ich ein bisschen mehr zu variieren und verschiedene Distanzen einzunehmen und nicht nur verschiedene Charaktere zu erzählen. Klappt so, na ja. Ich setzte mich aber nicht mehr unter Druck und bin frustriert. Man muss sich Zeit nehmen. Vielleicht liegt es auch an den verschiedenen Leuten, die mich da inspirieren. Die Stile von Tomaso Baldessarini, Jo Fischer, Milad Ahmadvand und Severin Koller unterscheiden sich halt auch sehr und bloßes Nachturnen kann es nicht sein. Na ja, man muss sich wohl wirklich Zeit nehmen.

 

Hallo Regensburg

Ich lebe in einer Stadt, wo fast jeder Fünfte überschuldet ist. Seit fast 2 Jahren hatte ich nur Jobs, die mich aus der Stadt rausführten und angenehm fand ich es hier nie richtig. Manchmal bin ich regelrecht erstaunt, wie entspannt und freundlich Menschen anderer Orte sein können. Der Wuppertaler mag es eher kompliziert, ein bisschen intrigant und müht sich ab, für einen verhältnismäßig geringen Erfolg. Manchmal glaube ich, er gefällt sich in der Rolle, denn… Stop, ich möchte nicht über die Stadt schimpfen. Man lässt sich so leicht mitreißen, wenn man nicht aufpasst und darum versuchen wir die Kurve zu kriegen und rechtzeitig abzuspringen, bevor der Zug entgleist. Seit einiger Zeit schaue ich mich mit Sheila nach Alternativen um und wie so oft, ist es der Lauf der Dinge, der uns beim Einkreisen hilft. Der Süden hat den Norden und das Meer leider vorerst überbieten können. Regensburg hat gutes Eis, nette Menschen, einen Kameraladen, der mich nicht arm machen wird, aber gelegentlich überraschen könnte. Insgesamt war es sehr angenehm. Fortsetzung folgt.

On Photography mit Ben Bernschneider

Ich hab so eine Liste mit Menschen, mit denen möchte ich gerne sprechen und ich will diese Gespräche aufzeichnen. Das ist im Wesentlichen das einzige Prinzip meines Podcasts und auf dieser Liste stand neben Milad auch Ben Bernschneider ganz weit oben, denn Ben gehört zu den empathischsten Menschen, die ich kenne. Er brennt für seine Kunst und sein Tun, wie kaum ein anderer, dem ich bisher begegnet wäre und das, ohne dabei unsympathisch, abgehoben, oder einfach drüber zu sein. Ich möchte gar nicht mehr über Ben sagen, denn wir müssen Ben einfach erleben.

Wer es gern in iTunes genießen möchte, klickt HIER.

Bens Bilder

Bad Sheriff

Ben im Netz: Portfolio / Instagram

 

On Photography mit Milad Ahmadvand

Ich spreche sehr gerne mit Menschen, lieber noch, als zu schreiben. Sprechen hat immer etwas persönlicheres und ich rufe lieber an, als eine Mail zu schreiben, wenn mir etwas wichtig ist. Die Metaebenen in Gesprächen können Texte nur schwer einfangen und will ich eine Person wirklich kennenlernen, dann muss ich sie ansprechen. Ich möchte viele Menschen besser kennenlernen und bin neugierig, denn sie und was sie tun, interessiert mich sehr. Darum möchte ich ein eigenes kleines Podcast-Experiment beginnen, nachdem ich neulich bei Peter und Sebastians Podcast Gast sein durfte und es richtig viel Spass gemacht hat. On Photography wird ein kleiner Podcast ohne Schnörkel, Intros, Musik oder fancy Cuts werden. Ich nehme, was ich habe, ein Notebook und ein Headset vom Smartphone, um mich ein bisschen mit jenen zu unterhalten, die mich gerade interessieren.

Den Anfang macht Milad Ahmadvand. Ich kenne Milad noch nicht sehr lange, aber er seitdem schaue ich mir immer wieder seine Bilder an. Wir hatten ein bisschen Kontakt, als es darum ging, die Capture One Film Styles zu testen und schnell wurde klar, dass er nicht nur das Herz da trägt, wo ein jeder es tragen sollte, sondern er auch ein spannender Kandidat für mein kleines Podcast-Projekt darstellen könnte.

Wer es gern in iTunes genießen möchte, klickt HIER.

Milads Arbeiten:

Milad im Netz: LoveWinti / Instagram

Milads Inspiration: Stefan Groenveld / Alex Webb

 

Journal Eins

Erinnert ihr euch noch an Journal Eins? Vor einiger Zeit hatte ich überlegt, ein Buch zu machen, nicht weil ich es verkaufen wollte, auch nicht für Ruhm und Ehre, eigentlich mehr um es zu machen, daran zu lernen und viel viel mehr Zeit in etwas zu stecken, was herrlich unvernünftig ist, als einfach mal Jobs zu machen und mal ein bisschen vom Fleck zu kommen. Meine erste Konzeptidee hielt genau 6 Seiten lang und wurde dann lange mit nicht beachtet und fast schon vergessen.

Neulich sah ich mir „Somewhere“ an und erinnerte mich, warum ich eigentlich ein solches Buch machen wollte. Ich erinnerte mich daran, welche Geschichten ich liebe und wie ich ewig an ihren Details, wie dem Soundtrack, oder kleinen Zitaten hängenbleibe. Einen Tag, nachdem ich Somewhere gesehen hatte, fuhr ich nach München und am Wegesrand fanden wieder so viele schöne Momente statt, aber ich konnte nicht anhalten.

Der nächste Tag war voll mit Arbeit und am Ende war ich lustlos, unkreativ und auch irgendwie unzufrieden. Vor meiner Rückreise besuchte ich noch Daniel, aber eine Kamera nahm ich gar nicht erst mit, was für mich sehr untypisch ist. In der letzten Woche saß ich dann vor Photoshop und blickte auf die Daten meiner Jobs aus diesem Jahr. Es ist mein Handwerk, was ich sah, aber nicht die Kunst, die mir Freude bereitet.

Gestern habe ich dann eine Handvoll Bilder fotografiert. Nichts bedeutsames, aber genug um mal zu testen, was ich seit meinem ersten Gedanken an Journal Eins getan hatte. Ein Problem für mich war der Look. Ich wollte keine zu digitalen Bilder und durch mein Preset Projekt bin ich viel zu verkopft gewesen. Es braucht bei mir manchmal eine Weile, bis eine Idee sich von alleine zu dem formt, wie sie funktionieren kann. Ich hab nun meinen digitalen Workflow, wie er mir aber nicht zu digital wirkt und mehr der Tonalität entspricht, die ich anstrebe, ohne dabei zu willkürlich zu sein. Ihr verzeiht mir, dass ich zum ersten Mal an dieser Stelle ein Geheimnis, um das Wie machen werde, zumindest vorerst. Man kann es eh nicht in ein Lightroom Preset packen.

Eine weitere Hürde ist für mich die Zeit gewesen. Alles sollte eigentlich nebenbei passieren, aber das ist illusorisch. Ich werde mir jetzt feste Tage nehmen, feste Ziele bestimmen und auch Faktoren nutzen, die genug Chaos erzeugen, damit am Ende doch alles zufällig genug bleibt. Ein Tag in der Woche, wird jetzt Buchtag. An diesem Tag werde ich schreiben, fotografieren, mich mit Menschen umgeben und auch etwas dem Alltagstrott entfliehen. Mal sehen, wie ich damit vorankomme und das Journal Eins endlich mit Geschichten, Gedanken, Menschen und Situationen fülle, die ich allesamt so wunderschön finde.

Fuji X-Pro 2 – Nur ein paar Worte

Ich habe im Januar eine neue, weitere Kamera gekauft und es niemanden gesagt. Na ja nicht so ganz niemanden, verheimlicht habe ich es nicht, aber groß kommuniziert auch nicht. Das Internet ist voll von Techniknerds und keiner spricht über Bilder. Das Marketing der Konzerne verspricht uns bessere Bilder, wenn wir nur das aktuellste Modell kaufen, oder besser gleich zu Sony wechseln. Da werden Summen durch die Gegend geschoben, die ich nicht mal in meinen SLK investiert habe, nur für eine vermeintlich bessere Leistung des Sensors. Es ist ein Irrsinn und ich mache da so gar mit. Wer mir in den diversen Social Media Kanälen folgt, der weiß, dass ich mich für eben den gleichen Kram interessiere, wie alle anderen auch und am Ende doch nicht so wichtige Diskussionen über Sony A7RIII, X-Pro2 oder MacBooks anstoße, um dann lange zu reden und doch nichts zu entscheiden. Lebenszeitverschwendung und darum hielt ich erstmal meine Klappe. Doch nun sind sie da, die vielen Fragen und ich beantworte sie ja gerne, doch nicht ohne die mahnenden Worte:

„Geht fotografieren und kauft nicht ständig Zeug!“

Ich hatte noch nicht so viele Gelegenheiten mit der Fuji X-Pro 2 zu fotografieren. Ein bisschen Street, zwei Jobs, aber wirklich alle Anforderungen konnte ich noch nicht abprüfen. Darum wird das hier erstmal eine Art Schnellfazit.

Seit über einem Jahr fristet meine Canon 6D ein Schattendasein. Sie liegt im Schrank, oder wird zu Jobs mitgenommen, ohne dass ich sie überhaupt auspacke. Sehr viel fotografiere ich mit der Leica und nur wenn es gar nicht anders geht, kommt die olle Spiegelreflex zum Einsatz. Das Ding ist für mich einfach nur noch Mittel zum Zweck, aber keine Freude. Es ist schwer. Der Autofokus ist so mies, dass ich anfangs nicht wusste, ob das defekte Tamron wirklich defekt ist, oder ob es an der Kamera selbst liegt. Es war das Tamron, aber besser fühlt es sich dennoch nicht an. Seit 2 Jahren spiele ich schon mit dem Gedanken, das Ding zu ersetzen und hatte mich da fest auf Sony eingeschossen, um die Sigma Arts mitnehmen zu können. Das war ein Datenblatt motivierter Gedanke und wenig vernünftig, wollte ich doch die Leica M ergänzen.

Pro:

Fuji lockt mit Cashbacks und so begann ich zu rechnen. Für den Preis eine A7RIII bekomme ich schon alles, was ich brauche und habe ein ordentliches, wenn auch nicht perfektes System.

Mit der X-Pro 2 gibt es das Fuji XF 35mm F2 R WR als Kitobjektiv. Das Ding ist ziemlich gut, leicht, gegen Wasser geschützt und damit perfekt für die Reportage. Weiterhin habe ich das XF 23mm F2 R WR und das XF 18mm R F2 gekauft. Dieses Setup ist so klein und leicht, dass die Leica dagegen immens schwer wirkt. Alles passt nun in eine Tasche und lässt sich bequem tragen. 

Der Autofokus ist bei Tageslicht ziemlich gut und trifft im Gegensatz zur 6D deutlich besser. Ich muss mich noch daran gewöhnen, tatsächlich mehr als nur das mittlere Fokusfeld zu nutzen. Bei schlechtem Licht ist der Autofokus immer noch genau, aber deutlich langsamer. Bisher ist mir das nicht nachteilig aufgefallen und muss noch eingehender unter realistischen Bedingungen getestet werden. Was mir aber gefällt, ist die Möglichkeit sofort den manuellen Fokus mit Focus Peaking nutzen zu können. Bei der 6D habe ich extra die Mattscheibe gewechselt, um überhaupt besser manuell fokussieren zu können, aber an ein ordentliches Peaking, kommt das Ding so nicht ran, denn das hilft schon sehr.

Die Dynamik ist großartig und das Rauschverhalten bis ISO 3200 nicht störend. 12800 würde ich wohl tatsächlich auch noch einsetzen, aber ich komme selten über 6400 hinaus. Man kann gut mit diesen Leistungen arbeiten, auch wenn es schon bessere Systeme am Markt gibt, auf die ich geschielt habe. Am Ende des Tages ist es weniger wichtig, als man denkt. In zwei Jahren sind uns nämlich ISO 12800 auch nicht mehr genug und alle meckern wieder.

Die Bedienung empfinde ich als sehr angenehm. Ich habe nie viele Knöpfe gebraucht, da ich nur wenige Funktionen wirklich oft nutze. Blende, ISO, Zeit, Fokus, damit arbeite ich und der Rest ist nett und hilfreich. Ich habe mir die Gesichtserkennung auf einen Button gelegt, die verschiedenen AutoISO Settings auf einen anderen und die AF-Modi wähle ich über einen eigens gewählten Button aus. Das Steuerkreuz ist hilfreich und nicht so nervig, wie mancher meint. Am Ende ist es Geschmackssache, aber ich habe das Gefühl, ich kann mir hier mein Werkzeug genug konfigurieren, damit es gut zu mir passt, aber nicht so sehr, dass ich es verschlimmbessere.

Für die X-Pro 2 habe ich mich nicht nur wegen des Rangefinder-ähnlichen Layouts entschieden, sondern weil mir der optische Suche wichtig war. Ich dachte, ich würde ihn öfter nutzen, aber es hält sich aktuell die Waage. Er kommt mir aber immer gelegen, wenn ich außerhalb des Frames sehen möchte, oder ich stark abblende und Blitzlicht in die Szene werfe.

Fuji bringt ständig neue Firmware Updates heraus und insgesamt merkt man, dass man dort sehr darüber nachdenkt, wie wir Kamera benutzen und was wirklich hilfreich ist. Es fühlt sich besser an, hier in ein System zu investieren, als bei vielen anderen Marken.

Kontra

X-Trans-RAWs und Lightroom mochten sich noch nie so richtig, aber die Files aus der X-Pro2 hassen Lightroom. Hier verstehen sich zwei gar nicht. Detailreiche Motive leiden schon bei kleineren Korrekturen deutlich. Hier kann man weder Fuji, noch Adobe die Schuld geben. Beide haben gute Gründe ihre Produkte so zu gestalten, wie sie nunmal hier nicht gut miteinander klarkommen. Ist nicht schön, aber man kann sich aber behelfen.

Dies ist ein 100% Ausschnitt aus einem Bild, was ich etwas extremer nachgeschärft habe, um den Effekt zu zeigen. Nicht Kantenkontraste werden verstärkt, sondern ganz neue Strukturen hervorgehoben.

Lösung A: Radius 1, Details 5, Schärfe unter 60, besser zwischen 30 und 40.

Lösung B: Iridient X-Transformer

Iridient bietet ein recht günstiges Stück Software an, was einem halbwegs schnell die X-Trans-RAWs in DNGs konvertiert, die sich dann wieder weitgehend wie gehabt verhalten. Die Dateigröße wächst nur leider deutlich an und es dauert etwas, größere Mengen zu konvertieren.

Diese Einstellungen passen für die meisten meiner Motive gut.

Mancher mag es noch als nervig empfinden, dass man öfter mal Akkus wechseln muss, oder dass die WR Objektive bei f2 etwas weicher sind, als bei f2.8. Man kann auch über den lauteren Autofokus beim 18mm R meckern, oder der Verzeichnung zum Rand hin. Nichts ist aber so nervig, wie die Sache mit dem Schärfen. Nachdem ich da nun aber eine praktikable Lösung gefunden habe, lebe ich damit und weiß bisher nichts weiteres in dieser Sektion zu berichten.

Edit: Eine Sache ist mir noch aufgefallen, aber das ist eher so ein haptisch gelerntes Ding. Das 28mm Ultron und mein 35mm Summicron haben einen Focus Tab an der Unterseite des Fokusrings. Damit weiß ich immer, auf welche Distanz ich gerade fokussiert habe, ohne hinzusehen. Die X-Pro 2 zeigt mir zwar wunderbar im Display die Schärfentiefe an, aber wenn ich Street fotografiere, schaue ich sehr selten, auf das Display, oder durch den Sucher. Situationen ändern sich schnell und ein Focus Tab hilft mir dabei, den Fokus zur geschätzten Distanz zu ändern. Ich könnte auch den AF nutzen, aber damit vertut man sich öfter, nicht weil er nicht schnell genug ist, sondern mehr, weil man den Fokuspunkt nicht genau ausgerichtet bekommt, ohne hinzusehen. Manueller Fokus fühlt sich für mich dann doch sicherer an.

Fazit

Bei Fuji bekommt man ein System, mit dem man alles machen kann, was man möchte, für vergleichsweise wenig Geld. Alles ist durchdacht und wenn auch nicht perfekt, aber perfekt genug, damit man sich auf Kompromisse einlässt und diese keinen Weltuntergang bedeuten. Wer viel Reportagen fotografiert, reist, oder sich auf der Straße rumtreibt, der hat hier einen guten Partner gefunden. In Bezug auf die Leica, wird die X-Pro2 eine gute Ergänzung sein, wenn es dunkler ist, oder man nicht ständig mit höchster Konzentration arbeiten möchte. Ein Tag Reportage mit der Leica fühlt sich großartig an, ist aber auch sehr anstrengend, wenn es um viel geht und ohnehin stressiger ist. Ich weiß, viele Leica-Fotografen schimpfen über Fuji und blicken mit etwas Verachtung auf diese Rangefinder-Imitation, was mir aber nicht liegt und ich als etwas affektiert empfinde. Mit der Fuji lernst du nicht so gut, denn sie bedeutet nicht die harte Schule, die ich manchmal brauche, aber sie rettet dich bestimmt, wenn du in eben dieser harten Schule nicht so gute Noten schreibst, dein Lehrer es auf dich abgesehen hat und niemand da ist, von dem mann die Hausaufgaben abschreiben kann.

 

 

Hallo Heimat

Heimat, der Weltbürger in mir mag diesen Begriff nicht, aber ich wüsste auch nicht, wie ich die Gegend, in der ich doch so lange gelebt habe und in der ich aufgewachsen bin, bezeichnen sollte. Wenn ich jetzt zurückkehre, wie am Wochenende, dann ist es für mich zu einem Museum geworden. Ich zeige Sheila Plätze aus meiner Erinnerung und beschreibe, was sich dort zutrug. Es sind Geschichten aus einem anderen Leben und doch bin ich kein anderer Mensch. Es ist surreal, jedesmal mehr und so langsam fühlt sich das alles endlich an. Meine Erinnerung lässt auch zunehmend nach. Gerade habe ich ein Playlist zusammengeklickt mit Songs aus einer Zeit, in der ich vieles nicht mal erahnen konnte, was heute so fest, bestimmt und allgegenwärtig ist. Mein vor allem jugendliches Ich spielt euch jetzt was vor.

Die M gibt es natürlich noch und die meisten Bilder aus diesem Post sind auch mit ihr entstanden. Die X-Pro 2 ergänzt sie nur und ich versuche langsam ein Gefühl für das System zu bekommen, um zu wissen, wo ich mich auf Automatismen verlassen kann. Die olle Canon 6D kommt dann weg. Mehr dazu in ein paar Wochen. Technik ist ja auch gar nicht so wichtig.

Die, auf die es ankommt.

In den letzten Tagen ist mir sehr viel Gutes passiert und ich möchte darüber reden, denn es ist nichts, was man einfach so abnickt, kurz lächelt und einfach weitermacht. Ich muss dafür aber ein bisschen ausholen, weil ihr mich sicher nicht alle so gut kennt, wie es nötig wäre, um das zu verstehen.

Ihr kennt Paul vielleicht aus Life of Paul, I want to work for Ripky, oder weil ihr nach dem Weltmeisterschaftsendspiel nicht gleich abgeschaltet habt und euch fragtet, wer der Typ mit der Leica ist, der da plötzlich auf dem Platz steht. Paul war jetzt zweimal sehr nett zu mir. 2012 hatte mich ein Freund überredet, mich auf ein Praktikum bei Paul zu bewerben und ich hatte erstmal genug Gegenargumente, dass mein Kumpel Alex ziemlich genervt von mir war. Er meinte es nur gut und ich gab mir einen Ruck, denn meine Argumente zählten nicht. Ich war damals einfach noch nicht bereit für etwas einzustehen, was meine eigene Zukunft direkt gestallten sollte. So schrieb ich abends eine etwas rotzige, aber dafür ziemlich ehrliche Bewerbung. Zwei Tage später saß ich in Norderstedt und wusste nicht so recht, wo mich das hinführen sollte. Was Paul mir damals skizzierte, war kein Praktikum. Es war ein Job mit viel Verantwortung, bei dem mir gleich drei Leute einfielen, die dafür besser geeignet wären, als ich es damals war. Ich konnte das nicht ruhigen Gewissens annehmen. Ich wollte niemanden enttäuschen, der mir so viel Vertrauen entgegenbrachte und ich wusste auch gar nicht, wie ich das ganz Ding anpacken sollte. So schrieb ich einen langen Text, in dem ich mit viel zu vielen Worten erklärte, dass ich noch nicht mutig genug war und lehnte ab. Dieses Erlebnis hat für mich aber einige Weichen gestellt. Ich war so unendlich motiviert und gewillt an meine Einstellung zu arbeiten, dass ich damals endlich zu überlegen begann, was ich eigentlich machen wollte und nach Wegen suchte, dass zu erreichen. Das war damals sicherlich nicht Pauls Intention, aber ich bin ihm dennoch sehr dankbar dafür.

Seitdem habe ich mal mehr und mal weniger konsequent daran gearbeitet, zu fotografieren und davon zu leben. Es hat noch ein bisschen Anlauf gebraucht, aber mittlerweile habe ich ziemlich gut definiert, was ich möchte und die Sache läuft. Das Ding ist nur, der Anlauf war sehr lang und eine ordentliche Durststrecke. Wirtschaftlich war da manches nicht und ich fand es ok. Jetzt, wo alles so schön ist, wie es nur sein könnte, merke ich aber, dass all die Kompromisse noch heute ihre Auswirkungen zeigen und noch ein paar Dinge aufzuräumen sind. Die Presets helfen mir dabei und das nicht nur finanziell.

Dienstagmorgen saß ich mit meiner Freundin beim Frühstück, die Katze lag auf dem Stuhl neben mir und auf’s Handy hatte ich noch nicht geschaut. Das lag auf dem Schreibtisch und machte immer mehr und  vor allem auffällig viele verschiedene Geräusche. Sheila und die Katze blickten mich beide sehr irritiert an. Es war erstmal schwer nachzuvollziehen, was da passierte. Erstmal waren da Facebook und Instagram Messages mit Glückwünschen, die aber nicht näher benannten, was passiert war. Der Online Shop schien aber deutlich besser besucht zu sein, als üblich. Nachdem ich mich durch die Masse an Meldungen gewühlt hatte, war ersichtlich, was geschehen war. Paul hatte in seiner Instagram Story meine Presets erwähnt und damit einiges losgetreten. Überall passierte plötzlich so viel, wie in einem Monat nicht. Follower, Likes, Kommentare, Nachrichten, Mails, Anrufe… Zum Mittag hin wurde ich ein bisschen überrannt und ich wusste immer noch nicht, warum das nun geschehen war, aber ich hatte eine Vermutung, die sich bestätigte, als später mit Paul sprach. Er hatte meinen letzten Blogpost gelesen, wo ich ein bisschen was zur Motivation hinter meinem Preset-Geschäft geschrieben hatte. „Warum nicht mal die Reichweite für etwas positives nutzen?“, sagte er und hat sich damit mal eben meine ewige Dankbarkeit gesichert. Hemingway nannte seine Freunde „Jene auf die es ankommt.“ und ich finde diese Beschreibung sehr treffend. Menschen wie Paul haben mir immer wieder geholfen und mir Wertschätzung gelehrt. Sie waren da, selbst wenn man sie nicht gerufen hatte, um genau das richtige zu tun. Mein Bafög ist damit abbezahlt und ich kann mich um den nächsten Schritt in meinem Leben kümmern und irgendwie möchte ich immer noch ganz oft Danke sage.

Ich hab mit Paul noch ein bisschen geschnackt und dabei kam ein interessanter Gedanke auf. Warum nicht offen kommunizieren, was bei all dem rumgekommen ist? Ich befinde mich zwar oft in angenehmer Gesellschaft, aber irgendwo gibt es immer Neider und auch wenn Malte mich fragte, ob ich nun den giftgrünen oder gelben Lamborghini bestelle und das nur ein Spass war, zeigt es doch, wo so der erste Gedanke hingeht. Neid und Missgunst begegnen uns dieser Tage leider sehr oft und gerade im Internet am häufigsten. Als ich Paul damals auf’s Spielfeld rennen sah, habe ich mich so für ihn gefreut. Ich wusste, es ist ein Lebenstraum für ihn. Viele Nachrichten an diesem verrückten Dienstag neulich, haben mir auch gezeigt, wie viele von euch sich auch so sehr für jemand anderen freuen können. Das zu erleben, war schön und ich wünsche mir das es auch anderen zu Teil wird.

Rund 3200,00€ Bafög musste ich noch tilgen. Davon war die Hälfte schon beglichen. Den Rest habe ich diese Woche überwiesen. Da bleibt noch was übrig, was helfen wird, Wuppertal zu verlassen, um mir mit Sheila ein schönes gemütliches Heim zu schaffen. Ich hab also keine Leica M10 bestellt. 😉

Freitag habe ich mit Paddy gesprochen und er sagte, so langsam ist der Welpenschutz für mich dann auch mal vorbei. Damit hat er recht, denn mein Ziel habe ich erreicht und noch mehr als das. Den großen Plan habe ich ja oftmals nicht und ich setze lieber einen Fuss vor den anderen. Jetzt habe ich eine funktionierende Marke, einen ordentlichen Shop und Kundschaft. Hinter alle dem steht eine kleine und sehr angenehme Community und es macht mir alles sehr viel Spaß. Ich freue mich, wenn meine Arbeit anderen hilft und Freude bereitet. Ich lerne immer wieder neue Leute kennen und manchmal helfe ich ihnen, oder so mir. Das geht weit über Presets hinaus. Also, wo geht es nun hin. Ich werde das ganze weiter machen und mir neue Produkte überlegen, die bestehenden stetig weiterentwickeln und doch in erster Linie Fotograf bleiben. Ich habe mir aufgeschrieben, was die Menschen an meiner Arbeit mögen und was ihnen wichtig ist, denn ich möchte das nicht vergessen. Ich will die Community etwas mehr ausbauen und mich weiter dafür einsetzen, dass das Internet zu einem etwas schönerem Ort wird. Außerdem habe ich Dienstag noch beschlossen, dass jetzt jeden Monat 100,00€ vom Presets-Geld an Viva con Aqua gehen. Vielleicht kann man das in der Zukunft noch ausweiten. Der Gedanke gefällt mir jedenfalls, dass nicht nur für mich was rumkommt. Vielleicht kann man so etwas mehr von dem möglich machen, was man gerne sehen würde, statt sich einfach nur Spielzeug vom Geld zu kaufen.

Nun habe ich sehr viel über Paul gesprochen, aber der Titel heißt „Die, auf die es ankommt.“ – Plural! Kwerfeldein.de, Paddy, alle in der Facebook Gruppe, Malte, Daniel, Felix, Stefan, Milad, Tobias… so viele Menschen haben mir bei so vielen verschiedenen Dingen geholfen. Technische Fragen, Ideen, Lösungen, Footage, Texte, Übersetzungen, Inspiration, Reichweite und eine Bühne habe ich bekommen, ganz freiwillig und aus reiner Nettigkeit. Es sind nicht immer alle nur neidisch, gierig und auf sich selbst bezogen. Ich freue mich so sehr, dass ich diesen großartigen Haufen Menschen um mich habe, der mir immer wieder zeigt, dass es auch anders geht. Danke.

Classic K14 25er – modern

Der erste Job im neuen Jahr liegt hinter mir und ich muss langsam wieder richtig arbeiten. Da dachte ich mir, wäre es doch nett, wenn wir vorher noch mal den ersten Geburtstag des Kodachrome inspiriertem Classic K14 Projektes feiern und ich den 25er nun auch mit einer überarbeiteten Modern-Variante ergänze.

Classic K14 25er – modern

In den letzten Monaten habe ich viel gelernt und all das Wissen möchte ich dazu nutzen, die Produkte noch ein bisschen zu verbessern. So gab es mit dem 64er – modern eine kleine Überraschung zu Weihnachten, denn für mich fehlte da noch eine dritte Variante, die etwas sanfter mit den Bildern umgeht und mehr Balance bietet. Das gilt nun auch für den 25er – modern. Das neue Preset nutzt die ursprünglichen Profile, aber ist nicht ganz so gesättigt. Außerdem werden die Tonwerte sanfter angesprochen, gerade was die Tiefen angeht. Wem nach etwas mehr Punch ist, kann ja die erweiterte Toolbox nutzen. Alles, was ihr bei den CineStill inspirierten ECN-2 Presets findet, findet ihr nun auch beim K14. Es wird nicht die letzte Veränderung, oder sagen wir Verbesserung der Presets gewesen sein. Ich möchte kontinuierlich weiterhin kostenlose Updates ausspielen und das Produkt immer wertiger gestalten.

Für den nächsten Textabschnitt empfehle ich folgenden Soundtrack:

Das hat auch etwas mit dem Lernen zu tun. Vor einem Jahr habe ich Pfandflaschen weggebracht, um mein Auto zu betanken und mir auch noch ein Abendessen zu kaufen. Kunden zahlten zu spät und im Winter läuft eh nicht viel. So war es eigentlich in jedem Januar, seitdem ich mich selbstständig gemacht habe, nur in diesem gerade nicht. In den letzten 2 Jahren ist mein Auftragsvolumen immer gleichmäßig gestiegen, aber für Rücklagen hat es nie gereicht. Es war immer ein gewisses Wagnis dabei und es war für mich ok, denn die Freiheiten und die vielen schönen Dinge des Jobs haben es mir immer auf anderem Wege vergolten. Wenn ich nur lange genug aushalten würde, dachte ich… Problematisch ist es nur, wenn mal was passiert und man plötzlich Probleme nur mit Geld lösen kann, wie 2013 als man in mein Auto einbrach und ich keine Kamera mehr zum Arbeiten besaß. Damals half mir meine Familie weitermachen zu können, denn ich war kurz vorher ohne Rücklagen, ohne Plan in die Selbstständigkeit gegangen, statt zum Amt, oder in die nächste Werbeagentur. Ich war damals ein kleines bisschen zu mutig und diesen Fehler kann ich erst jetzt ausgleichen. Erst jetzt ist mein Portfolio gut genug und ich bekomme die Jobs, die ich immer wollte. Erst jetzt habe ich ein paar Rücklagen und erst jetzt kann ich mein Bafög zurückzahlen und in diesem Januar müssen mich keine Pfandflaschen retten. Mancher mag meinen, dass ich nicht jammern und einfach einen vernünftigen Job suchen sollte. Mancher mag meinen, ich sollte einfach mehr Hochzeiten fotografieren, oder mich wo anstellen lassen, oder einfach mal meine Art selbstständig zu sein überdenken. Das Ding ist aber, dass ich nicht jammere und dass ich es viel zu sehr liebe, was ich tue. Ich bin zufrieden und bekam dank der Presets einen gewissen und eher kleinen, dafür aber sehr wichtigen Luxus geschenkt. Wenn ihr euch also mal gefragt habt, was ich mit dem Geld so mache, dann kommt hier die Antwort. Bafög wird getilgt, all die ganz mies bezahlten Jobs abgelehnt, bei denen man eigentlich nichts verdient und mein Pfandflaschensparkonto wich einem bei meiner Bank. Es fühlt sich zum ersten Mal so an, als könnte mein Weg wirklich am Ende erfolgreich sein und müsste nicht zwangsläufig in einem Desaster enden, was ich nur behaglich zu ignorieren gelernt hätte. In diesem Jahr möchte ich Wuppertal verlassen und mit Sheila irgendwo ein Heim schaffen, wo wir gerne leben und nicht nur, weil hier die Mieten bezahlbar genug sind. Und nein, es reicht nicht dafür, ein Haus zu kaufen, aber dafür den Umzug zu bezahlen.

Classic K14 25er – modern

Ich schreibe darüber, weil ich ausdrücken möchte, wie dankbar ich bin und was das für mich bedeutet. Ich betrachte das alles mit großer Dankbarkeit und Demut und so möchte ich eben auch einen größtmöglichen Mehrwert schaffen. Das ganze Internet, Großteile der Gesellschaft scheinen genau anders zu funktionieren und ich möchte da einfach nicht mitmachen.

Danke, das ich ein bisschen länger meine Träume leben kann!

Mehr Samples mit dem neuen Classic K14 25er – modern

Antisocial Media

1999 wollte ich unbedingt ein Modem haben, um mir die Demo von Quake 3 herunterzuladen. Kurze Zeit später begriff ich, dass ich im Internet nicht nur meine fertigen Hausaufgaben, sondern auch Interaktion finden konnte. Mein sozialer Horizont erweiterte sich über die Grenzen einer Schule und einer Kleinstadt hinaus. Kommunikation war für mich immer das wichtigste Werkzeug, um Antworten für Fragen zu finden, die ich mir selbst nicht beantworten konnte. Ich habe schnell begriffen, dass man mit den richtigen Leute, sehr schnell herausfinden kann, wie ein Weg zu gehen ist. Ihn danach zu gehen, ist dann eher der einfache Teil. Seitdem wir dieses ominöse Internet haben, können wir mit fast jedem Menschen direkt sprechen, kollaboriert arbeiten und Informationen teilen. Das finde ich großartig, denn ich wüsste sonst nicht, wie ich es aus der Kleinstadt geschafft hätte und jetzt das tun könnte, was mir so viel Freude bereitet. Das ist das Positive, was ich gerne lebe, gerne vermitteln möchte. Ich spreche von einem Miteinander, einem Teilen und Helfen.

Das Internet von damals, die ersten schönen Erfahrungen mit dem Social Web später, das alles existiert noch, aber wird überlagert von etwas Neuem. Ständige Selbstpräsentation, ewiger Erfolg, Selbsterhöhung und Inszenierung sehe ich öfter, als authentische agierende Persönlichkeiten und davon bin ich selbst betroffen, denn man fügt sich ein, in dieses Kollektiv der Parallelwelt. Man präsentiert das Schöne, das Besondere und wenn das mal ausbleibt, zeigt man nichts und fühlt sich irgendwie, als wäre etwas nicht in Ordnung, oder faked einfach alles.

Ich bin Fotograf und scharre so natürlich andere Fotografen um mich. Manche sind Künstler, andere Dienstleister und wiederum einige Hobbyisten. Ganz still sind die, denen es wirklich gut geht. Die, die zu tun haben, die die angekommen sind, wo sie sein wollen. Lauter wird es da, wo der Zweifel präsenter scheint. Da zeigt man jede Errungenschaft, nicht aus Freude an dieser, mehr um den eigenen Wert zu bestätigen. Hat man gerade nichts, schreibt man auch mal „for Nike“ oder „for Red Bull“ unter einen Instagram Post. Am Ende war es eine gute, freie Arbeit, aber eben nicht beauftragt von der Marke, für die alle Arbeiten wollen, weil sie damit ein Angekommen-sein verbinden. Ich glaube, viele fühlen sich sehr unsicher und glauben nicht an sich selbst, zumindest nicht permanent und ich weiß, wovon ich da spreche, denn auch ich brauch manchmal die Bestätigung, dass alles noch im Lot ist.

Vor einem Jahr im Januar, hätte ich auch ein „for Nike“ unter ein Bild schreiben können, oder ein paar Monate vorher „for BMW“ und es wäre nicht gelogen gewesen. Ich habe überlegt und es juckte in meine Fingern, aber es waren so kleine Jobs, über so viele Ecken und am Ende hätte es niemanden interessiert. Ich hätte das nur für mein eigenes Gefühl getan, um schlussendlich immer noch unsicher zu sein und so entschied ich mich dagegen. Beide Jobs finden sich nirgends, denn sie sind langweilig. Da hab ich besseres, aber ohne ein „for…“.

Es gibt Fragen, die kann einem dieses ominöse Internet nicht beantworten. Niemand kann das, denn es geht dabei um die Zukunft. Einen Rat aber, den kann man sich immer holen und manchmal ist er versteckt und verflochten in einer Reaktion, was mich zu dem eigentlich Grund bringt, überhaupt über das Thema zu schreiben. Wir leben eine happy-happy-fake Welt in der wir uns am meisten vor Kritik fürchten. Lieber ist uns ein anbiederndes „Awwwww“ als ein „Könntest du besser machen.“, wobei in letzterem tatsächlich eine neue Erkenntnis verborgen sein könnte. Natürlich könnte es auch Quatsch sein, aber warum wollen wir es nicht herausfinden? Weil der perfekte Schein uns wichtiger ist? Weil ein „sponsored Post“ unbedingt erfolgreich sein muss, damit die Marke auch den Nächsten bei uns bucht? Weil wir uns selbst nicht in Fragestellen wollen?

Warum haben wir nur so viel Angst, vor einer öffentlichen Diskussion? Wir könnten ja auch Angst vor dem Wetter haben, denn das ist noch weniger zu kontrollieren. Ich finde Gespräche immer bereichernd und selbst wenn jemand eine andere Haltung einnimmt, kann ich mir daraus immer noch eine andere Perspektive mitnehmen. Selbst völlig unberechtigte Kritik, wirres Gestammel, oder von Neid motiviertes Feedback, lässt mich etwas über den Sender dieser Botschaften erfahren und damit kann ich umgehen. Stellt man sich dem nicht, blendet man es aus und ignoriert es, ohne vorher zu analysieren, wird man nie erfahren, was wirklich da draußen vorgeht. Ich meine, da gibt es Leute, die so große Angst vor der öffentlichen Meinung haben, dass sie jedes Feedback fürchten, dass sie vergessen, dass sie auf diese Art nie wirklich sicher sein können, was tatsächlich überhaupt die Resonanz auf ihr tun ist. Vermutlich erwächst daraus nur eine größere Spirale der Selbsttäuschung.

Ich denke mehr über das nach, was ich tue und warum. Reichweite soll mir nicht wichtig sein, habe ich beschlossen, auch wenn ich in einem Online Shop Presets verkaufe. Wenn das Produkt nicht gut ist, wird es niemanden interessieren und daran ändert auch der immens leckere und großartig aussehende Burger nichts, den ich gestern NICHT in meiner Instagram Story zeigte. Was bringt es mir, wenn Menschen neidvoll auf mein Essen blicken? Ich möchte eigentlich nur, dass meine Familie und meine Freunde wissen, dass es mir gut geht, aber ich möchte nicht, dass diese und alle anderen Menschen auf der Welt denken, es geht mir immer dreimal besser, als ihnen. Ich möchte gemocht werden, weil ich die Person bin, die ich bin und nicht die Inszenierung einer Person, auf die ihr irgendwie neidisch seid, oder der ihr unbedingt nacheifern müsst, um euch Erfolgreich und Angekommen zu fühlen, denn gerade das, könnt ihr nur selbst messen und entscheiden. Ihr definiert, ob ihr zufrieden sein könnt.

Ich möchte zukünftig nicht nur das Positive zeigen. Ich möchte mich authentisch verhalten und nicht nur happy-happy-fun Kram posten. Dabei möchte ich hinterfragen, warum ich das tue und darauf verzichten, es nur zu tun, weil ich gerade mal wieder eine Bestätigung brauche. Ich möchte mehr interagieren, mehr diskutieren, Kontakte knüpfen und das Internet für das benutzten, für dass ich es so großartige finde.

Epilog: Nichts schien mir mehr geeignet, das hier zu bebildern, als ein Foto aus einem Wiener Klo. Schön noch mal zeigen, dass man eine Leica hat. Eklig sein, macht auch manchmal Spaß. Natürlich ist auch dieser Text irgendwo Marketing und Selbstinszenierung und ich habe lange überlegt, ob ich überhaupt darüber sprechen möchte, zumindest auf diese Art. Letztendlich habe ich mich dafür entschieden, denn es ist authentisch und ich möchte drüber reden.