Wachsen /Struktur /Konzept
Ich habe vor ein paar Wochen zum ersten Mal ein voll ausformuliertes Bildkonzept geschrieben. Bisher fanden alle Überlegungen, bevor ich eine Arbeit begonnen habe, nur in irgendwelchen Gedankenkonstrukten statt. Manchmal habe ich vorher Impressionen gesucht, an denen ich mich orientieren wollte, aber nie mehr. Eine Vorbetrachtung und eine Herleitung habe ich nicht bewusst erstellt.
Nun ging es darum, dass ein anderer ganz bestimmte Kriterien mit seinen Arbeiten erfüllen sollte und so musste ein Dokument her, was einen präzisen und verständlichen Rahmen vorgibt. Dabei ist mir ein Prozess aufgefallen, den ich schon seit einer Weile durchlaufe. Arbeiten von mir bekommen immer mehr einen genauso präzisen Rahmen und finden nur noch manchmal per Zufall statt. Ich setze mir Zielstellungen und produziere das Bild nicht mehr ausschließlich so, wie ich es vorfinde, sondern wie ich es haben möchte. Rückblickend freut mich das, denn ich habe vor ein paar Monaten festgestellt, dass ich unbedingt strukturierter Arbeiten muss, um mich weiter zu verbessern.
Vielleicht hilft es dem einen oder anderen, wenn ich mal kurz erläutere, wie ich jetzt vorgehe werde, bevor ich überhaupt die Kamera in die Hand nehme.
Abstraktion /Herleitung
Am Anfang steht eine einfache und möglichst reduzierte Zielstellung. Auch wenn es um eine konkrete Aufgabe geht, sollte man diese doch erstmal versuchen, abstrakter zu beschreiben. Ich versuche das mal am Beispiel der Weihnachtsbeleuchtungsserie.
Die Zielstellung, die ich mir gesetzt habe, sollte irgendwie das Weihnachtsfest charakterisieren. Ich wollte Elemente aufgreifen, die es nicht schon zum Erbrechen oft gab. Alles sagen, aber mit etwas, dass auf diese Art bisher wenig Beachtung findet. Ein hoch gestecktes Ziel also. Vereinfacht und abstrakt zusammengefasst, könnte man aber auch sagen, charakterisiere Weihnachten NEU. Schon sind mehr Gedanken möglich. Es kann mehr Ideen geben und trotzdem, gerade wegen des Wortes NEU, ist der Rahmen immer noch fest.
Gedanken sammeln
Weihnachten: Kalt, warm, bunt, Schnee, Geschenke, Familie, Essen, Rot, Grün, Baum, Nadeln, Lichter, Nähe, Besinnlichkeit, Glaube, Christentum, Kirche, Nacht…
Das sind nur einige mögliche Wörter, die in einem möglichen Brainstorming fallen würden. Zu einigen wird man sofort Ideen haben und zu anderen gar keine. Statt nun die ersten und scheinbar besten Einfälle gleich umzusetzen, sollte man die Wörter oder Gedanken wieder abstrakter formulieren. In diesem Beispiel wären das: Lichter, kalt, bunt, Schnee, Nacht.
Wieder abstrahieren
Lichter: Luma, leuchten, Feuer, Farben, hell, Wärme, brennen, Energie…
Nacht: Dunkelheit, Kälte, Schwarz, Sterne, Schlaf, leere Straßen…
Es geht also nicht um DIE Nacht oder DIE Lichter, sondern um eine mögliche weitere Vielzahl von Dingen, Eigenschaften, Situationen und und und…
Verknüpfen, stricken, kleben…
Diese Vielzahl kann man nun wieder zu etwas zusammenführen, was ein dichtes Geflecht von Zusammenhängen, Story und (Un)Sinn ergibt. Es bietet sich an, nach Gegensätzen, wie auch nach Gemeinsamkeiten zu suchen. Zusammenhänge erzeugen Nähe, Gegensätze hingegen Abstand und Ziel ist es daraus ein Netz von Beziehungen aufzubauen. Je dichter und vielschichtiger dieses ist, desto mehr Platz ist für eine Story, desto mehr Inhalt kann man erzählen, oder vom Betrachter später erdenken lassen.
Ich entschied mich Lichter und Nacht, Kälte und Energie, Nähe und Einsamkeit zu verknüpfen.
Der nächste Schritt danach war es dann, eine Bildwirkung zu bestimmen. Dabei hilft immer Flickr oder man hat da eh schon mal irgendwo etwas gesehen. Persönliche Neigungen spielen hier ebenso rein, wie der Bezug zum Motiv. Ist es doch hier noch ein letztes Mal möglich, bestimmte Elemente zu verstärken, zu verknüpfen, oder zu trennen. Ein gut gemeinter Rat: ÜBERTREIBT ES NICHT!!!!
Es ist hilfreich sich dann genau zu überlegen, welche Bilder man braucht, statt loszugehen und einfach drauf loszuschießen. Storyboard/Moodboards helfen hierbei sehr. Wer nicht zeichnen kann, braucht nicht zu weinen, denn man kann auch einfach grob skizzieren, oder schon existierende Bilder verwenden. Wichtig ist nur, dass ihr am Ende das Bild schon vorher genau definiert. Was soll zu sehen sein? Gibt es etwas zu beachten? Schreibt ruhig Hinweise. Ziel ist es am Ende nicht 394394 Bilder zu haben, sonder genau die Anzahl, mit genau dem Inhalt, den man sich vorher überlegt hat.
So, ich hoffe, das war jetzt irgendwie verständlich, hilfreich und stößt vielleicht eure eigene Entwicklung an. Wie gesagt, ich habe das oft für mich in Gedanken gemacht. Aufschreiben ist aber noch besser und etwas Zeit sollte man sich auch dafür nehmen. Das Ergebnis wird besser sein.

Danke für den gewinnbringenden Beitrag!
Ich habe mich letztens erst mit der Quelle von Inspiration beschäftigt der nächste Schritt ist dann die Umsetzung.
Deine Tipps sind sehr hilfreich um zielgerichteter zu fotografieren um dann auch zu besseren Ergebnissen zu gelangen.